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Fehler in der Matrix

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PIXABAY
Single
Böckin

Bau ein Haus, pflanz einen Baum, mach ein Kind – dass dieser Lebensentwurf nicht zwangsläufig auf jeden Menschen zugeschnitten ist, beweisen die anonymen Liebesbriefe ans wunderschöne, elende Single-Leben. Ein Hoch auf Selbstgespräche, Dosen-Ravioli und Liebeleien.

Ich hab mich letztens in einer vollkommen wirren Situation wiedergefunden, die mich damals sehr und heute ein wenig ratlos zurück lässt.

Die Situation war folgende: Konfirmation, Familienfest, das erste nach (und doch noch immer mit) Corona. Eigentlich ganz schön, die nähere Verwandtschaft mal wieder zu sehen, denn anscheinend hab ich so einiges verpasst. Ich bin nicht die Beste, wenn es darum geht, auf dem digitalen Weg Kontakt zu halten und so sind solche Events die einzige Möglichkeit zu erfahren, was im Leben der Verwandten gerade so abgeht.

Beim Essen sass ich also mit meiner einige Jahre jüngeren Cousine, ihrem Freund und noch ein paar älteren Personen am Tisch. Das Gespräch plätscherte fröhlich und locker vor sich hin und aus irgendeinem Grund, an den ich mich nicht mehr erinnern kann, stiessen wir auf das Thema Babynamen. Dass ich keine Kinder will, haben wir ja bereits geklärt. Meine Cousine aber schon. Und wie.

Sie holt also ihr Handy hervor und öffnet eine Liste in ihren Notizen, auf der fein säuberlich etwa 20 Babynamen stehen. Zu erwähnen wäre vielleicht noch, dass sie 17 Jahre alt ist. Mit einer Selbstverständlichkeit ratterte sie die Namen herunter, erzählte, dass sie am liebsten weibliche Zwillinge hätte und dann noch einen Jungen. An die Namen kann ich mich nicht mehr erinnern, aber ich habe sie nie zuvor gehört.

Die ganze Situation wurde mir immer unangenehmer, denn die Babynamenliste war bloss die Spitze des Eisbergs. Weiter ging es von der Hochzeit, zu den Flitterwochen und der zukünftigen Familienplanung. Es hätte mich nicht gewundert, wenn sie aus ihrer Tasche ein Skizzenbuch mit ihren visualisierten Wünschen hervorgeholt hätte. Mein Blick wanderte unterdessen immer wieder zu ihrem Freund, dessen Gesichtsausdruck Bände sprach. Wahrscheinlich hatte er diesen Ausbruch an detaillierter Lebensvorstellung ebenso wenig erwartet wie ich. Unsere Reaktion auf die Frage, wie wir das denn sehen würden, fiel zumindest gleich aus. Absolute Überforderung.

Ich hatte wirklich keine Antwort parat. Also in meinem Kopf schon. Meine Zukunft ist das krasse Gegenteil zu der ihren. Nicht nur, was das keine Kinder angeht, sondern viel eher, dass ich im Moment planlos umherschippere. Ich hab nicht mal ein entferntes Ziel, auf das ich auf Umwegen zusteuere, viel eher entdecke ich täglich unbekanntes Land.

Meine Cousine hingegen hat ihr Leben durchdacht, hat Ziele und Wünsche und in diesem Moment war ich unglaublich neidisch. Für ein paar Stunden wollte ich das, was sie hat auch. Ich wollte einen Plan und eine Person, mit der ich diesen Plan umsetzen kann. Ich war es leid, auf Zukunftsfragen mit einem Schulterzucken zu antworten und mich verteidigen zu müssen, wieso ich erneut allein aufkreuzte.

Ein bisschen neidisch bin ich heute noch, aber mittlerweile doch viel eher froh. Ich finde es gerade ziemlich cool, verloren durch die Welt zu torkeln und alles so zu nehmen wie es ist. Es hat mir Möglichkeiten eröffnet, von denen ich nicht gewagt hätte zu träumen. Allein bin ich ja auch nicht. Meine Freunde torkeln mit mir und wenn ich auf dem Weg in einen möglichen Partner stolpere, sag ich auch nicht nein. Immerhin wären wir dann auf einer Wellenlänge.

Ich sag nicht, dass mein Weg der richtige und ihrer der falsche ist, gar nicht. Viel eher können wir wahrscheinlich voneinander lernen. Vielleicht würde das uns beiden ganz gut tun und bis dahin – torkelt oder plant so wies Euch lieb ist, Hauptsache, Ihr gebt auf Euch Acht!

Bis bald

Eure Singleböckin

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