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Heidi in Gotha

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Originalentwürfe der ersten Heidi-Illustrationen des Kunstmalers F. W. Pfeiffer - in kongenialer Kombination mit dem modernen Heidi-Bild des japanischen Animationskünstlers Yōichi Kotabe.
ZVG
Hans Peter
Danuser

Hans Peter Danuser und Amelie-Claire von Platen sind im Engadin zu Hause und zeigen uns ihren Blickwinkel. Was bewegt Land und Leute? Wo ist das Engadin stark und wo hinkt es einzelnen Mitbewerbern hinterher? Und was geschieht auf politischer Bühne? Der Blog «Engadin direkt» berichtet persönlich und authentisch.

Unser letzter Auslandseinsatz mit Alphorn fand dieses Jahr am 5. Dezember im thüringischen Gotha statt. Die Deutsche Post präsentierte dort ihre beiden Sonderbriefmarken «Heidi» und «Pippi Langstrumpf» zum Thema «Helden der Kindheit». Da neben dem Schweizer Botschafter aus Berlin auch viel Prominenz anreiste, sollten wir die Stadt Maienfeld und das Heididorf dort auch optisch und akustisch wirksam vertreten.

Wir starteten um 5.30 Uhr vom «Swiss Heidi Hotel» und waren gegen Mittag im Freistaat Thüringen, wo vor 200 Jahren kulturell die Post abging: Jena, Weimar, Erfurt ... J. W. Goethe, F. Schiller sowie weitere Dichter und Denker, Komponisten, kunstsinnige Frauen und Fürsten in einmaliger Dichte.

Die Residenzstadt Gotha wurde durch das genealogische Handbuch des Adels berühmt, das hier verlegt wurde und weiterhin die Positionierung der schönen Stadt prägt: «Gotha adelt». Die Stadt war früher ein Zentrum des Verlags- und -Versicherungswesens.

Das offizielle Programm bestand aus zwei Teilen: Eröffnung eines Sonderpostamtes samt Pressekonferenz im herzoglichen Museum gegenüber dem imposanten Schloss Friedenstein am Vormittag sowie eine Festveranstaltung zur Briefmarken-Präsentation in den fürstlichen Räumlichkeiten des Museums am Nachmittag.

Der Oberbürgermeister Knut Kreuch begrüsste gut 200 Personen, darunter viele Medienvertreter und Prominenz sowie die Heidis und Adelheids der Stadt Gotha.

Ruedi Birchler und ich eröffneten und umrahmten die Feier mit Alphornklängen und Grüssen von Stadtpräsident Heinz Dürler von Maienfeld und Hans-Jörg Müntener, Verwaltungsratspräsident vom Heididorf:

«... Maienfeld hat 2500 Einwohner und ist auch für seinen Wein bekannt, der erste Wein am Rhein reift in Graubünden. Oberhalb Maienfeld liegt das Original-Heididorf aus Johanna Spyris Geschichte, die vor 140 Jahren hier in Gotha illustriert und erstmals verlegt wurde. Das Dörfli wird heute jährlich von über 150'000 Gästen aus aller Welt besucht.

Ich selber bin auch in jener Gegend aufgewachsen und war dann 30 Jahre Kurdirektor von St Moritz. Vor 40 Jahren lancierte und schützte ich die Marke 'Heidiland', die heute der ganzen Region um Bad Ragaz und Maienfeld ihren Namen gibt.

Begleitet werde ich von Ruedi Birchler, dem langjährigen Polizeichef von St. Moritz i.R. Zusammen blasen wir seit bald 30 Jahren Alphorn, das Schweizer Nationalinstrument.»

Dem Oberbürgermeister überreichte ich eine sehr gelungene Heidi-Skulptur aus einer 200-jährigen Waldföhre, hergestellt im Bündner Kompetenzzentrum «Holz», direkt neben dem Heididorf. Der Oberbürgermeister zeigte sich sichtlich gerührt und versprach einen besonderen Platz in Gotha.

Zudem sangen Gitti und Erika das berühmte Heidi-Lied «Heidi, deine Welt sind die Berge», dessen Komponist Christian Bruhn ebenfalls eingeladen war.

Die Sonderbriefmarke zeigt das Heidi in der modernen Version von Yōichi Kotabe und liegt ab nun zum Kauf in einer Auflage von fast vier Millionen Exemplaren vor.

Der Heidi-Experte Dr. Peter O. Büttner aus Zürich hielt das Festreferat und erläuterte die spezielle Verbindung zwischen Gotha und Heidi. Dabei zeigte er auch viele erstaunliche Hintergründe über die weltberühmte Geschichte auf. Vor exakt 140 Jahren besuchte Johanna Spyri den bekannten Verleger Friedrich Andreas Perthes, der die Heidi-Geschichte ab 1880 ein halbes Jahrhundert lang verlegte und die Rechte an Spyris komplettem Lebenswerk kaufte. Mittlerweile beträgt die Gesamtauflage von «Heidis Lehr- und Wanderjahren» unglaubliche 60 Millionen Exemplare, liegt in 70 Sprachen vor und wird als Evergreen weltweit jedes Jahr neu verlegt (zuletzt in Israel 2019). Damit ist Heidi heute das auflagenstärkste und bekannteste Kinder- und Jugendbuch der Welt.

Begleitet wurde die Feier mit einer faszinierenden Sonderausstellung vom Heidiseum-Team um Dr. Büttner, Peter Polzin und Roland Seltmann von Promuseo. Zum allerersten Mal wurden die Originalentwürfe der ersten Heidi-Illustrationen des Kunstmalers F. W. Pfeiffer einer Öffentlichkeit präsentiert - in kongenialer Kombination mit dem modernen Heidi-Bild des japanischen Animationskünstlers Yōichi Kotabe. Seine Heidi-Gestalt aus der 52-teiligen Trickfilmreihe von 1974 hat Heidi von der Buchvorlage emanzipiert und prägt heute diese Symbol- und Sympathie-Gestalt auf allen Kontinenten.

Schon 40 Jahre zuvor entdeckte auch Hollywood das Potenzial der Heidi-Geschichte. Schweizer und deutsche Filme folgten, ebenfalls die 26-teilige Serie des Schweizer Fernsehens von 1977 und die 42-teilige Trickfilmserie des ZDF. Der neueste Heidi-Film von 2015 wird von Disney in über 100 Ländern verliehen – damit ist er der erfolgreichste Schweizer Film aller Zeiten!

Angesichts dieser weltweiten Bekanntheit und ungebrochenen Popularität der Heidi Geschichte stand nach der Feierlichkeit die Diskussion im Raum, ob Maienfeld/Graubünden Johanna Spyris Geschichte nicht als Unesco-Welt-Dokumentenerbe vorschlagen soll, wie es mit den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm und den Archiven der Pippi Langstrumpf Autorin Astrid Lindgren bereits geschehen ist. Dieser von Dr. Büttner und Peter Polzin lancierte Plan würde von wichtigen Schweizer und deutschen Institutionen und Persönlichkeiten Unterstützung finden. Ein höchst interessanter Denkansatz, wenn man sieht, welch‘ positive Auswirkungen ein Unesco-Label auf den Tourismus haben kann (RhB).

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War toll die VA in Gotha und ich war dabei.
Wollte und habe an Peter Polzin schreiben (Adresse von der Visitenkarte), aber die Mail kam zurück.
Vielleicht können Sie Herr Danuser mir zu einem Kontakt verhelfen