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Die Stadt verliert einen Visionär

Der 75-jährige Zürcher Unternehmer Hans Nef ist bei einem Badeunfall tödlich verunglückt. Er war treibende Kraft hinter mehreren Grossprojekten in Rapperswil-Jona.

Daniel
Graf
Samstag, 07. Dezember 2019, 04:30 Uhr
Tödlich verunglückt: Hans Nef, der in Rapperswil-Jona verschiedene Grossprojekte vorangetrieben hatte, ist im Alter von 75 Jahren verstorben. Bild: Markus Timo Rüegg

«Rapperswil-Jona war für Hans Nef mehr als ein Ort, an dem er investierte», sagt Thomas Furrer, Bauchef von Rapperswil-Jona. Er ist seit Anfang 2013 in seinem Amt – «und mit Hans Nef hatte ich gefühlt vom ersten Tag an zu tun». 2013, vor bald sieben Jahren, sei das Megaprojekt Jona-Center auf die öffentliche Auflage zugesteuert. «Seither hatte ich wohl zwischen 30 und 40 Sitzungen mit Hans Nef, wir arbeiteten eng zusammen und lernten einander kennen. Sein Tod hat mich sehr betroffen gemacht», sagt Furrer.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass der 75-jährige Nef bei einem Badeunfall auf den Kapverden, einer Inselgruppe vor der Westküste Afrikas, ums Leben gekommen ist. «Er wollte mit seinem Katamaran den Atlantik überqueren. Manchmal sprach er sogar von einer Weltumrundung», sagen Töchter und Partnerin gegenüber dem «Blick» (Ausgabe von gestern).

Dass Hans Nef bei der Verwirklichung seines Traumes starb, sei immerhin ein kleiner Trost. «Er sagte, er komme nach drei Wochen wieder nach Hause – wenn der Wind denn in die richtige Richtung blase. Nun hat ihn der Wind davongetragen», heisst es im Artikel weiter.

«Nef war ein Hans Dampf in allen Gassen»

In Thomas Furrers Stimme schwingt trotz der Tragik Heiterkeit mit, als er gefragt wird, wie er die Zusammenarbeit mit Nef erlebt habe. Als «Hansdampf in allen Gassen» beschreibt er ihn, als gewieften Strategen mit Mut und Weitsicht, der seine Interessen pointiert eingebracht und vertreten habe. Die Sitzungen und Diskussionen mit Nef seien, gelinde gesagt, immer angeregt gewesen. «Er war Unternehmer durch und durch und das merkte man ihm an. Aber er war auch immer bereit, Kompromisse einzugehen und Lösungsansätze zu erarbeiten, bei denen auch die Interessen der Stadt Platz hatten.»

Von Nef als «unermüdlichem Macher mit grossen Ideen für die Stadt» spricht auch Immobilien- und Baufachmann Reto Klotz aus Rapperswil-Jona. Ihn und Nef habe neben gemeinsamen Projekten eine jahrelange Freundschaft verbunden. So seien sie oft zusammen in Klosters Ski gefahren, wo beide eine Wohnung hatten: «Dass Hans Nef nicht mehr da ist, ist eine grosse Tragödie», sagt Klotz.

Aufgewachsen ist Nef in einer Oberbaselbieter Gemeinde, im Einzugsgebiet der Basler Chemie. Bis er sieben Jahre alt war, musste er ohne Schuhe auskommen. «Ich weiss, was es heisst, arm zu sein», sagte Nef einst. Schon in seiner Kindheit zeigte sich aber sein Spürsinn für gute Geschäfte: Als Nef als Jugendlicher spitzbekam, dass «die in Basel» ständig Bedarf an weissen Mäusen hatten, zog er kurzerhand eine lukrative Mäusezucht auf. Pro Tier gab es einen Franken auf die Hand. Das war Ende der 50er-Jahre viel Geld. So habe er bereits mit 17 mehr Geld verdient als sein Vater, erinnerte sich Nef einst mit einem Schmunzeln.

Nicht immer von Anfang an richtig gelegen

Beim Jona-Center habe der umtriebige Unternehmer allerdings nicht von Beginn weg auf die richtige Karte gesetzt, erinnert sich Furrer: «Ursprünglich war das neue Jona-Center als klassisches Einkaufszentrum geplant. Aus unserer Sicht war die Zeit solcher Einkaufszentren damals aber bereits abgelaufen.» Es habe einige Gespräche gebraucht, um Nef davon zu überzeugen, dass ein Jona-Center, das in Konkurrenz zu den Läden im Zentrum von Jona stehe, nicht der richtige Weg sei. «Nach einem konstruktiven Austausch ging Nef auf unsere Bedenken ein und kam von seinem ursprünglichen Plan ab.» Auch heute seien im Projekt zwar noch Gewerbe- und Verkaufsflächen vorgesehen, der Fokus liege aber klar auf dem Wohnen und der Anlage als Subzentrum der Stadt.

Eine andere Vision für Rapperswil-Jona liess Nef nie los: «Sein Plan war es, auf dem ganzen Gebiet zwischen Eichwies und Geberit, das heute zum grössten Teil noch eine grüne Wiese ist, eine Art Tech-Park-City à la Silicon Valley zu errichten», erinnert sich Furrer. Die ersten Gebäude des Neftechpark sind bereits im Bau, Verträge mit innovativen Firmen, Start-ups und der HSR unterzeichnet.

Reto Klotz kommt über dieses Projekt ins Schwärmen: «Mit dem Tech-Park ist es Nef gelungen, mittelfristig Hunderte Arbeitsplätze in einem zukunftsorientierten Geschäftsfeld nach Rapperswil-Jona zu bringen.» Es sei ein Beispiel dafür, dass Nef seiner Zeit voraus gewesen sei und grosse Ideen habe umsetzen können. «Das Wissen, dass man etwas durch alle Widerstände geboxt hat, ist eine unheimliche Befriedigung», sagte Nef denn einst auch.

Auch Furrer sagt, er habe Nefs Weitblick geschätzt, da seine Visionen die Verantwortlichen bei der Stadt immer wieder zum Denken angeregt hätten. «Ihm wollte aber manchmal nicht in den Kopf, dass alles länger geht, es auch noch andere Anspruchsgruppen gibt und dass ohne Mitwirkung aller Beteiligten wenig erreicht werden kann.» Nef habe stets nur geradeaus und «mit em Gring dür d Wand» gekannt, sagt der Berner.

Unternehmertum in der weiten Welt

Wie erfolgreich der Investor, Ingenieur und Unternehmer damit war, zeigt ein Blick auf sein Portfolio: Nef betrieb ein Ingenieurbüro und eine Immobilienfirma und war mit einer dritten Firma im Bereich Generalunternehmung tätig. Auf seinem Weingut in Kalifornien produzierte er mit seiner Firma Vina Robles jährlich Hunderttausende Flaschen Wein aus über 60 Rebsorten. Als ein Gespräch über das Jona-Center einmal etwas länger dauerte, als ursprünglich geplant war, unterbrach Nef den Journalisten mit der Begründung, sein Flug nach Ghana gehe in wenigen Stunden. Dort besass er Land, auf dem er Kakao anbaute und so einheimischen Familien eine Arbeit verschaffte.

Dass Nef weit herumgekommen war, bemerkte man auch in Rapperswil-Jona: «Nef sagte wieder und wieder, was wir hier Verkehrsprobleme nennen würden, seien in Tat und Wahrheit doch überhaupt keine Probleme», erinnert sich Furrer und schmunzelt. Nef habe natürlich schnell gemerkt, dass Stadt und Einwohner das anders sahen – eine gesunde Portion Humor habe er sich aber nie nehmen lassen.

«Extrawünsche waren nichts für Hans Nef»

Was Furrer imponierte: «Nef stammte aus ärmlichen Verhältnissen, hat sich selber hochgearbeitet. Dass er es hoch hinauf geschafft hatte, merkte man ihm aber nie an. Bevorzugungen und Extrawünsche, das war definitiv nichts für Hans Nef.»

Wer mit Furrer über Nef spricht, merkt schnell: Durch die jahrelangen geschäftlichen Beziehungen ist eine Vertrauensbasis entstanden. «Ich bin sehr traurig über das plötzliche Ableben von Hans Nef. Er hätte noch viele Pläne gehabt – die Stadt verliert mit ihm einen Visionär.»

Hinweis Dieser Artikel enthält Informationen aus dem Stadtjournal von Rapperswil-Jona vom Dezember 2015.

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