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Noch ist die Schafskälte zuverlässig

Das Pfingstwochenende war eher kühl und regnerisch. Nichts Ungewöhnliches, sondern eine bekannte meteorologische Singularität, sagt Fabian Umbricht von Meteotest: die Schafskälte.

Südostschweiz
Mittwoch, 12. Juni 2019, 04:30 Uhr Bekannte Wetterlagen
Noch nicht geschorenen Schafen kann auch etwas Kälte nichts anhaben.
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Die Eisheiligen im Mai und die Schafskälte im Juni seien Wetterlagen, die immer wieder etwa um dieselbe Jahreszeit auftauchen, sagt Fabian Umbricht von Meteotest. «Solche Wetterlagen nennt man auch meteorologische Singularität», erklärt Umbricht. «Sie treten relativ zuverlässig auf, aber manchmal auch mit leichten Verschiebungen.» So muss man gemäss Umbricht von Anfang bis etwa Mitte Juni mit der Schafskälte rechnen. «Als Schafskälte bezeichnet man Kaltluft, die in der jetzigen Jahreszeiten bis Mitteleuropa vorstösst.» Sie sorge für relativ kalte und nasse Witterung, so Umbricht.

Heuer ist die Schafskälte gnädig

Wer sich in den letzten Tagen über die kühlen Temperaturen geärgert hat, dem sei gesagt: Heuer ist die Schafskälte nicht so extrem, wie sie sein könnte. «Die kalte Luft liegt derzeit eher etwas westlich der Alpen, über Frankreich und den britischen Inseln. Über den Alpen gibt es im Moment ein Föhnströmung», sagt Umbrich. Deshalb seien die Temperaturen im Alpenraum nicht ganz so kalt.

«Die Schafskälte ist eine Art Bauernregel. Sie liefert relevante Anhaltspunkte, aber keine detaillierte Prognosen», führt Umbricht seine Erklärungen aus. Und wie so vieles unterliegen auch sie dem Wandel der Zeit. «In Zeiten des Klimawandels treten Wetterlagen wie die Schafskälte nicht mehr ganz so zuverlässig auf wie noch vor 20, 30 Jahren», sagt Umbricht.

Ungeschorene Lämmer

Der Begriff der Schafskälte soll daher rühren, dass Schafe, die Mitte Juni bereits geschoren sind, mit einem grösseren Kälteeinbruch stark zu kämpfen haben. Mutterschafe und Lämmer werden daher meist erst nach Mitte Juni geschoren. (sz)

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