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In Schiers hats gedonnert

In Schiers hats gedonnert

Das Davoser Institut für Schnee- und Lawinenforschung hat die Wirkung von abgestorbenen Bäumen auf Steinschläge untersucht. Dafür donnerten mehr als 100 Tonnen Gestein ins Schierser Kieswerk.

Südostschweiz
vor 2 Monaten in
Wirtschaft

Kürzlich ist das Kieswerk in Schiers zum Schauplatz eines besonderen Experiments geworden. Das Davoser Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF führte ein Experiment mit Totholz durch.

 

QUELLE: WSL-INSTITUT FÜR SCHNEE- UND LAWINENFORSCHUNG SLF

Grössere Steine als bisher

Andrin Caviezel erklärte im Interview mit Radio Südostschweiz: «Wir haben schon Versuche mit liegenden Totholz-Bäumen gemacht und wollten die Bremswirkung dieser Totholz-Nester auf Steinschläge messen.» Für die bisherigen Experimente seien Steine mit einem Gewicht von 40 bis 800 Kilogramm zum Einsatz gekommen, sagte der stellvertretende Projektleiter weiter

Beim Abschlussprojekt am Donnerstag in Schiers kamen nun grössere Steine mit einem Gewicht von 2,7 bis 3,5 Tonnen zum Einsatz. Dies sei die Grössenordnung, die auch für Ingenieure von Bedeutung sei, so Caviezel. Dies, um Gefahren- und Hinweiskarten zu erstellen, Gefahrenzonen zu ernennen und generell Gefahren abzuschätzen. «Denn wir wollen vor allem auch wissen, bei welchen Grössen- und Formkategorien das Totholz schützt.»

Am Testtag hätten die Verantwortlichen den Versuch 20-mal mit den schwereren Steinen durchgeführt, 10-mal ohne und 10-mal mit Totholz. Gemäss Caviezel zeigen erste Eindrücke, dass die untersuchten Steinblöcke eine beträchtliche Durchschlagskraft haben. «Der Versuchstag bestätigt aber auch in dieser Grössenklasse, dass plattige Steine im Wald um einiges leichter gestoppt werden können, wenn sie durch einen Baum aus der Bahn geworfen werden.»

Transport per Helikopter

Für das Experiment brachten die Verantwortlichen im Inneren der Steine Sensoren an. Diese messen Rotation und Beschleunigung des Steines während des Sturzes und beim Aufprall, wie Caviezel erklärt. In Kombination mit Bildern und Videos mehrerer Kameras, die beim Testhang angebracht wurden, könne  die Flugbahn jedes Steins rekonstruiert werden. Das ermögliche den Forschenden, weitere Erkenntnisse über das Zusammenspiel aller Parameter zu gewinnen.

In Schiers wurden die Steine per Helikopter zum bewaldeten Hangstück transportiert. Anschliessend wurden sie in Serien abgeworfen, wie Caviezel weiter erklärt. Gleichzeitig führten die Forschenden verschiedene Messungen durch. Und danach wurden die Serien wiederholt.

In den vergangenen Jahren hat das SLF ähnliche Tests am Flüelapass durchgeführt:

Grosser Aufwand für unbekannte Summe

Sicherheitstechnisch brachte das Experiment in Schiers einige Herausforderungen mit sich. «Wir haben Simulationen durchgeführt, kennen den Hang also sehr gut und wissen, wo die sicheren Zonen sind.» Bei den ersten Durchläufen wurde trotzdem zusätzliche Sicherheitsmassnahmen ergriffen.

Wie teuer das Experiment war, sagte der stellvertretende Projektleiter nicht. So viel sei aber verraten: «Das Experiment ist sicher nicht ganz günstig. Der Superpuma rechnet pro Flugminute ab. Wenn er in der Luft ist, wird man schnell ein-, zweihundert Franken los», sagte Caviezel. Deshalb seien die Beteiligten auch immer ein wenig im Stress. «Klar, es summiert sich am Ende. Aber wir sind überzeugt, dass es der Sicherheitsgewinn wert ist.» (spa/paa)

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