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Hohe Preise und tiefe Löhne bringen Italiener

Hohe Preise und tiefe Löhne bringen Italiener

Die Zahl der Grenzgänger, die in Graubünden arbeiten, aber im Ausland leben, steigt seit über zwei Jahren kontinuierlich an. Besonders aus Italien kommen immer mehr Menschen in den Kanton zum Arbeiten.

vor 2 Jahren in
Wirtschaft
Corvatsch
Viele Grenze sind im Engadiner Tourismus beschäftigt.
Gian Andri Giovanoli / SYMBOLBILD

Aktuell arbeiten so viele Grenzgänger im Kanton Graubünden wie noch nie zuvor. 6627 waren es genau im ersten Quartal 2019, wie den offiziellen Zahlen des Bundes zu entnehmen ist. Bemerkenswert ist das nicht, weil es ein massiver Ansprung nach oben wäre gegenüber dem Vorquartal (+49). Dennoch ist das Wachstum nicht einfach so normal, denn: Es zeichnet eine Entwicklung fort, die seit dem ersten Quartal 2017 ungebrochen ist. Von 6134 Grenzgängern ist die Zahl seither jedes Quartal, mal mehr mal weniger stark, angestiegen.

Generell war auch in den mindestens zehn Jahren davor grundsätzlich ein Wachstum zu verzeichnen, wie den Bundeszahlen zu entnehmen ist, dies jedoch immer wieder mit zwischenzeitlichen Abwärtstendenzen. Dass die Zahlen nun schon seit über zwei Jahren nur noch anwachsen, habe vor allem mit der wirtschaftlichen Entwicklung in Italien zu tun, erklärte Paul Schwendener, Vorsteher des kantonalen Amts für Industrie, Gewerbe und Arbeit (Kiga), in einem Gespräch mit der Zeitung «Südostschweiz» im Februar dieses Jahres. Dort herrsche ein starkes Preis-Lohn-Gefälle. Die tiefen Löhne würden nicht mit den steigenden Preisen mithalten, weshalb es immer mehr Italiener in Nachbarländer treibe, wo sie bessere Löhne erwarten könnten.

 

90 Prozent der Grenzgänger aus Italien

Von den 6627 Grenzgängern, die in Graubünden beschäftigt sind, stammen laut Statistik rund 6005 aus Italien, also rund 90 Prozent. Entsprechend sind auch die grosse Mehrzahl der Grenzgänger in den Bündner Südtälern und im Engadin beschäftigt, rund 5900 (wobei das nicht zwingend alles Grenzgänger aus Italien sein müssen). Dabei ist es auch nicht überraschend, dass die Bereich Tourismus und Bau die beiden grössten Aufnehmer von Arbeitnehmern aus dem Ausland sind.

Was die kontinuierlich ansteigende Zahl der Grenzgänger ebenfalls bewirke, sagte Schwendener im Februar, sei, dass die Konkurrenz und der Druck zwischen den Grenzgängern ebenfalls stark zunehmen. Das zeige sich etwa daran, dass «wir von italienischen Grenzgängern wissen, die sich schon auf Stellen im Churer Rheintal bewerben». Nach den Grenzgängern aus Italien folgen auf den Rängen 2 und 3 mit gewaltigem Abstand Arbeitnehmer aus Österreich (381) und Deutschland (160), die in Graubünden angestellt sind.

Angesichts der aktuellen, weiterhin angeschlagenen wirtschaftlichen Lage in Italien und der auf der Schweizer Seite starken Entwicklung mit immer mehr Stellen und immer weniger Arbeitslosen, scheint eine Trendwende vorläufig nicht in Sicht. 

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