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Der «Föhnsturm» ist verlegt, der Orkan wütet noch

Der «Föhnsturm» ist verlegt, der Orkan wütet noch

Einige der Männer aus «Föhnsturm – 25 Männerporträts aus dem Glarnerland» nehmen Stellung zum «Orkan mit unsichtbarer Krone», der den geplanten Erscheinungstermin des Buches verzögerte.

Südostschweiz
vor 4 Wochen in
Kultur & Musik
Auch alt Regierungsrat Röbi Marti kommt im Buch zu Wort.

von Swantje Kammerecker

«In der Zwischenzeit hat ein Orkan die Welt in Atem gehalten, ein Orkan mit unsichtbarer Krone.» So beginnt das Nachwort im Buch «Föhnsturm – 25 Männerporträts aus dem Glarnerland». Als sich im Frühjahr 2020 abzeichnete, dass das Buch coronabedingt später erscheinen würde, baten die Autorinnen die Porträtierten um Statements zur Lage für ein Nachwort im Buch. Jetzt geben einige der Porträtierten aus heutiger Sicht nochmals Auskunft.

Fast prophetisch klingt das Zitat von alt Regierungsrat Röbi Marti vom März 2020: «Was wir jetzt brauchen, ist für lange Zeit eine neue Normalität.» Heute sagt er: «Ich luägä nüd uff daas, wo i dener Ziit nüd erlaubt isch – ich freu mich a demm, wo gaat.»

Hans Rauner: «Sagen wir es so: sich gerade nicht einschüchtern lassen, einen klaren Kopf bewahren und die Tatsachen anschauen.» Pragmatisch gibt sich auch André Reithebuch, Bergführer wie Rauner, der sein Diplom im Coronajahr 2020 erhielt: «In schwierigen Situationen ist es wichtig, dass man Varianten und Lösungen hat, um weiterzukommen.»

Auch Schönes zu entdecken

Manche sind als Unternehmer gefordert. Für Thomas Schätti bestätigt sich: «Nach der Krise ist vor der Krise.» Aber er sieht auch Gutes: «Im Nahen und Kleinen ist Schönes zu entdecken und auch Neues zu Schaffen.» Auch Zigersenn Sigfried Fischli erfuhr, «dass ein Lebensmittel wieder mehr geschätzt wird, das hier hergestellt wird». Er hofft, dass dies so bleibt.

Snowboard-Fabrikant Hansjörg Kessler befürchtet dagegen «die Teilung der Gesellschaft durch eine durch die Hintertür eingeführte Zwangsimpfung» und meint: «Wer sich ohne Symptome testen lässt, um zu sehen, ob er krank ist, könnte künftig auch einmal die Woche auf den Friedhof gehen, um zu schauen, ob er schon gestorben ist.»

Spitaldirektor Markus Hauser schrieb bereits vor einem Jahr, dass von den Mitarbeitenden höchste Flexibilität verlangt war. «Die einen mussten mangels Arbeit nach Hause und andere viele, viele Stunden Mehrarbeit leisten.» Er lobt, wie die 600 Mitarbeitenden die Krise gemeistert hätten. Der kürzlich bekannt gegebene Beschluss, auf den Oktober in die Leitung des Glarnerstegs zu wechseln, sei ihm gerade darum nicht leicht gefallen.

Keine Erfahrung mit Krisen

Thomas Zimmermann, ehemaliger Talarzt im Sernftal, hat als Assistent von Cornelia Hefti in Schwanden häufig mit Testen und Impfen zu tun. «Die Corona-Infektion selbst überstand ich im Dezember praktisch symptomlos und bin jetzt zweimal geimpft.» Er treibe wieder Sport, fühlt sich gesund. Hingegen erlebte der Nidfurner Fotograf Fridolin Walcher einen schweren Covid-Verlauf mit Spitalaufenthalt und ist froh, dass er sich erholen konnte.

Für Peter Jenny, emeritierter ETH-Professor, hat «der Tag einfach nicht genug Stunden, um mein Nichtstun zu perfektionieren. Meine Gedanken führen mich in nahe und ferne Welten. Ich geniesse das Privileg der Freiheit im Kopf mit der Chance, mich verändern zu können.»

Komponist Christoph Kobelt sagt: «Das Sein ist nicht planbar. Und ich erlebe es dort am besten, wo ich mich – ohne Wenn und Aber – jeder Gegebenheit ganz hingebe.» Und Bundespolitiker Martin Landolt: «Das Virus dominiert nach wie vor unseren Alltag. Unser Land hatte das Glück, während Jahrzehnten kaum von einer ernsthaften Krise betroffen zu sein. Dementsprechend schwer fällt uns jetzt der Umgang mit Covid-19. Zögern und Zaudern auf der einen Seite, Gleichgültigkeit und mangelnde Geduld auf der anderen Seite.» Fast grösser als die medizinischen und wirtschaftlichen Herausforderungen seien Zusammenhalt und Solidarität.

Elf Frauen, ein Buch

«Föhnsturm – 25 Männerporträts aus dem Glarnerland» erschien 2020 im Baeschlin Verlag. Die Autorinnen sind: Claudia Blumer, Johanna Burger, Stephanie Elmer, Gaby Ferndriger, Swantje Kammerecker, Delia Landolt, Claudia Kock Marti, Corina Mani, Anja Mittner und Barbara Tänzler. Die Fotos machte Maya Rhyner.

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