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So funktioniert ein Profi-Mountainbike-Team

So funktioniert ein Profi-Mountainbike-Team

Südostschweiz
vor 1 Jahr in
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Spitzensport – für die meisten Athletinnen und Athleten bedeutet dies harte Arbeit, Entbehrungen und eine grosse Portion Leidenschaft. Im Format «Sportlerblog» schreiben junge Bündner Sporttalente über ihren Weg an die Spitze.

von Vital Albin*

Von aussen ist es schwierig zu sehen, was alles dahintersteckt, damit ein Athlet seine bestmögliche Leistung auf der Rennstrecke abrufen kann. Professionelle Athleten sind bei einem Team angestellt, welches ihnen Dienstleistungen, Lohn und Material zur Verfügung stellen. Als Gegenleistung macht der Athlet Werbung für die Sponsoren des Teams. Diesen Mechanismus erläutere ich im folgenden Text.

Ein professionelles Team besteht normalerweise aus Teamchef*in, Masseur*in, Koch/Köchin, Mechaniker*in und je nachdem noch anderen Mitarbeitenden oder Personen, die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich engagieren. Die Anzahl weiterer Mitarbeitenden variiert je nach Anzahl Athleten und Wichtigkeit des Wettkampfes. In unserem Fall (Thömus RN Swiss Bike Team) üben der Teamchef und der Mechaniker ihre Funktionen hauptberuflich aus.

Mechaniker sind extrem gefordert

Der Masseur und der Koch sind bei Trainingslagern und an Wettkämpfen anwesend. Beim Masseur haben wir täglich eine Behandlung, um unsere Muskulatur zu lockern und wo er auf die individuellen Bedürfnisse des Athleten und der Athletin eingeht. Der Koch ist logischerweise zuständig für das Essen. Auch da hat jeder Athlet spezielle Wünsche, vor allem, was die letzte Mahlzeit vor dem Rennen betrifft.

Der Mechaniker trägt eine grosse Verantwortung im Team. Er muss jährlich etwa sieben neue Velos für jeden Athleten und jede Athletin (in unserem Team sind es vier Athleten und zwei Athletinnen) aufbauen sowie regelmässige Reparaturen durchführen und unsere «alten» Velos zum Verkauf aufbereiten. Da wir fast täglich mehrere Stunden auf dem Velo sind, ist der Verschleiss der Bikes und der Komponenten enorm und so hat der Mechaniker fortwährend Arbeit. Für die Wettkämpfe werden die Bikes perfekt vorbereitet, da kommt es mir oft so vor, als würde ich auf einem neuen Bike sitzen. Das ist auch wichtig für die Materialsponsoren, denn sie möchten, dass ihre Produkte im besten Licht präsentiert werden.

Das Material der Bike-Profis wird für die Sponsoren im besten Licht präsentiert.
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Damit dies alles funktioniert, muss sich der Mechaniker gut organisieren, um den Überblick nicht zu verlieren und um das nötige Material der Sponsoren bereitzuhalten. Auch der Transport allen Materials an (normalerweise) etwa 20 Wettkämpfe im Jahr ist mit einem grossen Aufwand verbunden. Der Mechaniker steht in engem Kontakt mit den Athleten und Athletinnen, denn jede und jeder bevorzugt andere Einstellungen am Bike. Je nach Strecke variieren die Pneuwahl, die Federungseinstellungen und die Grösse des vorderen Kettenblattes. An den Wettkämpfen wird der Hauptmechaniker von einem Zweiten unterstützt.

Der Teamchef trägt die grösste Verantwortung. Er muss Geld und Material generieren, Unterkünfte und An-/Rückreisen organisieren. Des Weiteren entscheidet er, welche Fahrer er verpflichtet und unter welchen Konditionen und für welche Zeitspanne. Er steht auch in regelmässigem Kontakt mit den Athleten und Athletinnen, um ihre Pläne und aktuelle Situation zu besprechen.

Gute Resultate sind das A und O

Als Gegenleistung für das Team und die Sponsoren müssen die Athleten und Athletinnen in erster Linie gute Resultate zeigen. Dadurch verbessert sich ihre Werbeplattform auf den Trikots beispielsweise. Einige Sponsoren bieten auch ein Prämiensystem an, wobei sehr gute Leistungen zusätzlich belohnt werden. Nebst guten Leistungen an den Wettkämpfen spielt Social Media mittlerweile eine zentrale Rolle. Es wird von uns erwartet, dass regelmässig Beiträge auf verschiedenen Plattformen geteilt werden. Zum Teil erhalten wir auch spezifische Anfragen für einen bereits vorbereiteten Beitrag.

Wir müssen auch immer bedacht sein, dass wir die korrekte Kleidung tragen – dasselbe gilt für das Material. Grundsätzlich funktioniert ein Profi-Team ähnlich wie ein sonstiges Unternehmen. Die Athleten, Mechaniker etc. sind die Angestellten, die Sponsoren generieren die Einnahmen und der Teamchef ist der CEO. Jeder und jede hat klar definierte Aufgaben, die zum Funktionieren des Kollektivs beitragen.

*Der Tersnauser Vital Albin ist eines der grössten Schweizer Mountainbike-Talente. 2019 wurde der 21-Jährige an den Weltmeisterschaften in der U23-Kategorie Dritter im Cross Country. Für «suedostschweiz.ch» gibt Euch Albin während der Saison 2020 Einblicke in das Leben eines Mountainbike-Profis.

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