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Autos sind nicht aus Zuckerwatte gemacht

Autos sind nicht aus Zuckerwatte gemacht

Bettina
Cadotsch
vor 1 Monat in
Freepik

Das Zusammenleben der Sprachen und Kulturen in Graubünden: Das ist das Thema der Kolumne «Convivenza», die wöchentlich in der «Südostschweiz» und der romanischen Tageszeitung «La Quotidiana» publiziert wird.

Velofahrer, die sich über Autofahrer ärgern, und Autofahrer, die sich über Velofahrer aufregen – an vielen schönen Sommertagen ist dies der Fall. Auch ich mache immer wieder meine Erfahrungen, die mir das Adrenalin ins Blut pumpen und mich im Auto zum Fluchen bringen.

Ich spreche nicht von den Velofahrern in der Stadt, sondern von denen, die auf den Kantonsstrassen fahren, über unsere Pässe, in den Tunneln – überall.

Sobald das Wetter gut ist, sind sie auf der Strasse. So auch letzthin, als ich mit meinem Auto nach Hause Richtung Savognin fuhr. Zwischen Thusis und Tiefencastel gibt es viele Kurven und einige Tunnels. Und da war er – ein Velofahrer im Tunnel, ohne Licht und schwarz angezogen. Keine Angst, ich habe ihn nicht gestreift, doch ich habe mich wahnsinnig über ihn aufgeregt.

Als Autofahrerin bin ich nämlich dafür verantwortlich, ihm auszuweichen. Ich wäre auch die Dumme, hätte ich ihn nicht gesehen. Auch wenn er ohne Licht unterwegs war. Ich bin jedoch die im Auto, ich bin stärker als das Velo – wenn es einen Unfall gäbe, würde ich zur Rechenschaft gezogen. Und das regt mich jedes Mal auf. Ausserdem muss man zwischendurch sehr stark abbremsen, bis man dann endlich die Velofahrer überholen kann.

Mein Fahrlehrer sagte immer: «Ein Auto ist wie eine Waffe!» Doch ich habe das Gefühl, dass Personen, die auf solchen Strassen Velo fahren, sich dessen nicht bewusst sind. Sie denken wahrscheinlich, dass ein Auto aus Zuckerwatte gemacht ist.

Ich habe noch nie versucht, eine längere Strecke mit dem Fahrrad zurückzulegen und bin auch noch nie auf Kantonsstrassen gefahren. Ich kann also nicht aus Erfahrung sprechen. Doch ich frage mich wirklich, was diese Personen antreibt?

Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass dies Spass macht. Sich im Freien bewegen, aus eigener Kraft von A nach B kommen – das macht Sinn und scheint mir auch nachvollziehbar. Doch stundenlang in einem Velosattel zu sitzen, in einer Position, in der der Rücken und das Hinterteil schmerzen, und zuzusehen, wie die Autos einen andauernd überholen – das kann nicht schön sein. Das jagt einem zwischendurch sicher einen Schauer den Rücken hinunter, oder?

Ich kann auch nicht verstehen, wieso diese Velofahrer kein schlechtes Gewissen haben. Ich fühle mich bereits unwohl, wenn ich in der Stadt einen Fussgängerstreifen überqueren muss. Ich laufe so schnell, wie ich kann, danke mit einem Fingerzeichen und passe meine Geschwindigkeit dem Verkehr an. Ich möchte auf jeden Fall die Autofahrer nicht zu lange belästigen – Velofahrer kennen dieses schlechte Gewissen nicht.

Um meine Zeilen etwas zu relativieren: Ich bin ja nicht der Meinung, dass Velofahrer auf der Strasse nichts zu suchen haben. Es sollte ja Platz für alle haben. Und ich bin auch davon überzeugt, dass viele Personen Routen mit wenig Verkehr wählen, sich richtig anziehen und Licht auf ihren Fahrrädern haben. Doch ich würde es einfach für gut befinden, wenn die Personen, die das nicht machen, bei ihrem nächsten Ausflug auch ein wenig an die Autos und die Personen hinter dem Steuerrad dächten. Und vielleicht auch ein wenig an das, was mein Fahrlehrer immer sagte: «Ein Auto ist wie eine Waffe!»

Autos n’èn betg da vatta da zutger

Velocipedists che s’agiteschan d’automobilists ed automobilists che sa grittentan da velocipedists – gist quai capita durant blers bels dis da stad. Era jau fatsch adina puspè mias experientschas che ma chatschan l’adrenalin en il sang e ma fan blastemmar en mes auto.

Jau na discur betg da quels en citad, mabain da quels che van sin vias chantunalas, sur noss pass, en ils tunnels – dapertut.

Apaina ch’igl è bell’aura èn els sin via. Uschia era puspè tschel di, cura che jau era sin via cun mes auto a chasa vers Savognin. Sin via tranter Tusaun e Casti hai ina massa stortas e divers tunnels. E là era el – in velocipedist en il tunnel, senza glisch e tratg en nair. Nagina tema, jau n’al hai betg tutgà, jau sun però m’agitada enormamain.   

Sco automobilista sun jau numnadamain responsabla da guntgir el. Jau fiss er il tabalori, sche jau n’al avess betg vis. Era sch’el n’aveva envidà naginas glischs. Ma jau sun quella en l’auto, jau sun pli ferma ch’il velo – sch’i dess ina disgrazia, vegniss jau vidlonder. E quai ma grittenta mintgamai. En pli ston ins tranteren franar enormamain fin ch’ins po alura finalmain surpassar ils velocipedists.

Mes scolast d’ir cun auto scheva adina: «In auto è sco in’arma!» Ma jau hai il sentiment che persunas che van cun velo sin talas vias n’èn betg conscientas da quai. Quellas pensan mettain ch’in auto saja da vatta da zutger.

Jau n’hai anc mai empruvà dad ir pli lunsch cun velo ed era betg sin vias chantunalas. Jau na poss damai betg discurrer per experientscha. Ma jau ma dumond propi tge motivaziun che han questas persunas?

Jau na poss numnadamain betg m’imaginar che quai fetschia plaschair. Sa muventar en il liber, vegnir dad A tar B cun l’atgna forza – quai fa tut senn e ma para era plausibel. Però da seser uras sin in sez d’in velo, en ina posiziun che fa mal il dies ed il tgil, e da vesair autos che passan tut il temp sper ins or – quai na po betg esser bel. Quai sto tranteren far snavurs ad ins, u betg?

Jau na chapesch era betg, pertge che quels velocipedists n’han betg nauscha conscienza. Jau ma sent gia mal, cura che jau hai dad ir a pe sur in passadi da peduns en citad. Jau vom uschè svelt sco pussibel, fatsch in segn cun il det per engraziar ed adattesch mes tempo al traffic. Jau na less en mintga cas betg disturbar memia ditg ils automobilists – velocipedists n’enconuschan betg questa nauscha conscienza.

Per relativar in zichel mias lingias: Jau na sun gea betg da l’avis ch’ils velocipedists na possian betg esser sin via. Igl avess gea dad avair plazza per tuts. Ed jau sun era persvadida ch’i dat ina massa persunas che tschernan rutas cun paucs autos, che sa tiran en endretg e che han era glischs sin lur vehichels. Ma jau chattass simplamain per bun, sche quellas persunas che na fan betg quai, pensassan tar lur proxima excursiun er in zichel vi dals autos e las persunas davos la roda da manar. E forsa era vi da quai che mes scolast d’ir cun auto scheva adina: «In auto è sco in’arma!»

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Bettina Cadotsch, ich fürchte, Sie charakterisieren die harte Wirklichkeit in unserem Kanton richtig, obwohl ich es falsch finde; egal ob Sie Ihren Artikel im Jahre 1921 geschrieben hätten (als Autofahren in ganz Graubünden verboten war fortschrittlicher- und weiserweise) – oder im Jahre 2021 anno Domini und Greta (als es Out sein sollte, jedoch die Öfen auf vier oder zwei Rädern inklusive Pneus-Abrieb-Feinstaub Lebensglück-Ersatz und Ersatz-Religion für die erdrückende Mehrheit, auch Fahrende genannt, zu sein scheinen, Gesundheitsfolgen hin oder her).
Hier sind die Platzhirsche die mit der "Waffe", Auspuffprimat?
Schweiz Tourismus listet elf autofreie Orte in der Schweiz, aber NULL im grössten Kanton, Graubünden.
Ich kenne in GR keine Wohnen-Zuflucht vor Schall und Rauch. Auch Worte sind Schall und Rauch: Auf der Titelseite zuoberst titelte die SO am 17.5.2021: In Sachen Bio ist Graubünden einsame Spitze. Am 13.6.2021 offenbart (Taten statt Worte) die Spitze-Nonplusultra-Kulminations-Zenit-Hausse-Gipfel-Höhepunkt-Realität: Volksinitiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung» (62.17 % Nein) und Volksinitiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» (61.20 % Nein) in Graubünden.
Sie schreiben, Sie können nicht verstehen, dass diese Velofahrer kein schlechtes Gewissen haben; Sie fühlen sich bereits unwohl, wenn Sie in der Stadt einen Fussgängerstreifen überqueren müssen: "Ich laufe so schnell, wie ich kann, danke mit einem Fingerzeichen und passe meine Geschwindigkeit dem Verkehr an. Ich möchte auf jeden Fall die Autofahrer nicht zu lange belästigen – Velofahrer kennen dieses schlechte Gewissen nicht."
Wahrscheinlich vergessen Sie bei Ihrer Weltanschauung auch den Knicks und Kotau nicht:
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Das_goldene_Kalb_Auto_Hans-Horst_Al…
"Provokative Installation des Marburger Verkehrsaktivisten und Pfarrers i. R. Hans-Horst Althaus in Marburg. Ansicht von Osten. Plakattext: Denk mal! Das goldene Kalb der deutschen Staatsreligion. Wem gehört die Straße?"
Frau Cadotsch, mir geht es umgekehrt: Ich frage mich, ob die Verkehrsplaner nicht ein schlechtes Gewissen haben sollten, wenn beispielsweise die Fussgängerstreifen-Ampel nur so kurz grün zeigt, dass schon Normalfussgänger sich sputen müssen, geschweige denn Alte und Behinderte.
Zitat von Alain Delon: Das Schlimmste an den Minderwertigkeitskomplexen ist, dass die falschen Leute sie haben.
Während aktuell Extinction Rebellion graduell sich quasi auf eine Französische Revolution zuzubewegen scheint (was ich die falschen Mittel fände),
https://www.20min.ch/story/extinction-rebellion-droht-damit-zuerich-lah…
hält es das Graubünden Bettina Cadotschs offensichtlich eher mit dem Gaspedal-Vorgestern, wo der Driverseat sich im Auto befindet, wo es die Insassen stundenlang und länger zu hocken aushalten (besonders wenn sie mit röhrendem Motor STEHEN im Stau vor meinem Fenster)? Indes "stundenlang in einem Velosattel zu sitzen, in einer Position, in der der Rücken und das Hinterteil schmerzen", das, meinen Sie, kann doch nicht schön sein.
Schön? Mein Ideal: Edental. Hingegen den offiziellen Gesundheitstourismus samt GRF und Gian und Giachen packen Sie bitte gleich mit in Ihr Auuutomobile, und dann fahren Sie – nur weg damit.
Siehe meinen Kommentar:
https://www.suedostschweiz.ch/wirtschaft/2021-05-04/implenia-aus-in-gra…
https://www.suedostschweiz.ch/politik/2021-06-15/doppelter-frust-fuer-d…
Wolfgang Reuss
15.06.2021 - 09:49 Uhr
SO schreibt: Er sei enttäuscht und zugleich verwundert über das Nein des Schweizer Stimmvolks zum CO₂-Gesetz, sagt Gabriel Reiber aus Chur. «Die Vorlage genoss einen breiten Rückhalt quer durch die politischen Parteien, von der FDP bis hin zu den linken Kreisen, und auch die Wirtschaftsverbände sprachen sich für ein Ja aus.»
Ich schreibe: Ich bin enttäuscht und zugleich verwundert, dass Klimastreik-GR "enttäuscht und verwundert ist", denn exakt davor hatte ich euch, liebe Leute, in unserem persönlichen Gespräch 25.8.2020 in Chur, in den Mails vorher (und in meinen Mails nachher, die aber nicht mehr beantwortet wurden) fundiert wohlbegründet gewarnt, samt Bedienungsanleitung. Leider muss ich feststellen, dass die scheinbar galileische Klimajugend mir gegenüber just das an den Tag legt, was sie beim Volk kritisiert: Verschlossene Ohren, Widerwille.
Grotesk, Schilda wie es leibt und bebt.
Dass die CO2-Initiative vom Parlament und Bundesrat und "gewichtigen Teilen der Wirtschaft" unterstützt wird, dass sogar Teile bzw. Sektionen der Klimabewegung dagegen waren, zeigt für mich beides, wie lächerlich homöopathisch unwirksam dieses CO2-Gesetz inhaltlich ist (auch dadurch, dass es auf Technologie statt Systemwechsel setzt, wodurch es in ärmeren Ländern, sprich weltweit, kaum übertragbar sein dürfte, im Gegensatz zu meiner Edental-Lösung).
Und wenn DAS dann noch vom Volk abgeschmettert wird... ja, Holla die Waldfee!, was braucht es eigentlich NOCH, damit die Jugend vielleicht, unter Umständen und möglicherweise mal auf einen Alten wie mich hören würde, der derlei Sackgassen doch bereits erforschte, in die diese Jungspundinnen so enthusiastisch hineinstürmen.
Die einzige Rettung ist Denken/Logik. Das aber in Picasso-Maxima. Glaubts mir.
PS: Dass ein Ständerat am 13.6.2021 erklärte, durch die CO2-Initiative-Ablehnung seien nachher in noch kürzerer Zeit noch schärfere Massnahmen (auch Verbote) nötig, entbehrt kaum der Tragikomik: Wie soll denn das funktionieren mit herkömmlichen (statt meinen) Methoden, wenn es demokratisch bisher schon scheiterte? Das erklärte der Herr Ständerat dann allerdings nicht.

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