×

Einen kleinen Verlust «bewusst in Kauf» genommen

Die Autobetrieb Sernftal AG (AS) weist für das Geschäftsjahr 2017 einen Verlust von gut 58 000 Franken aus. Das ist kein Weltuntergang, weil er auf zwei einmalige Effekte zurückzuführen ist. Ein kleiner Wermutstropfen sei aber der Verlust im konzessionierten Bereich, sagt Verwaltungsratspräsident Mathias Zopfi.

Sebastian
Dürst
Dienstag, 12. Juni 2018, 04:30 Uhr Zwei Rechnungen werden geführt
Einen kleinen Verlust «bewusst in Kauf» genommen
ARCHIVBILD

Es gibt verschiedene Gründe, weshalb die Autobetrieb Sernftal AG für das vergangene Jahr einen Verlust hinnehmen muss, wie Verwaltungsratspräsident Mathias Zopfi erklärt. «Wir hatten einen Wechsel in der Direktion, IT-Umstellungen und höhere Dieselkosten», sagt er.

Und es gibt noch einen anderen einmaligen Grund: Die Autobetrieb Sernftal AG hat die Liegenschaft im ehemaligen Stationsgebäude Elm mit einem 40-jährigen Baurechtsvertrag dem Verein Sernftalbahn übergeben.

Dieser baut darin sein Sernftalbahnmuseum. «Hätten wir das Gebäude zu teuer abgeben wollen, hätte sich das der Verein niemals leisten können», sagt Mathias Zopfi. Man betrachte die Übergabe des Stationsgebäudes auch als Beitrag an ein attraktives Kleintal, das von einem schönen Museum profitiert. «Weil wir das Gebäude ausbuchen, bedeutet das für uns aber auch einen direkten Verlust. Das ist es uns wert.»

Es komme dazu, dass die AS das Gebäude nicht mehr benötigten. Im Gegensatz zum Platz in Engi, wo das Museum zuvor beheimatet war. «In Engi hatten beide zu wenig Platz, weshalb die Situation so deutlich verbessert werden konnte», erklärt Zopfi.

Wichtiger als der kleine Verlust ist für Zopfi das Wissen darum, dass er auf der Ausgaben- und nicht auf der Einnahmenseite entstanden ist. «Die Einnahmen blieben nämlich stabil.»

Zwei Rechnungen werden geführt

Die AS führen zwei Rechnungen, die für die Generalversammlung zusammengeführt werden: Eine Rechnung für den konzessionierten Betrieb und eine für den nicht-konzessionierten Betrieb. Das hat einen Grund: Für konzessionierte Leistungen bekommt der Betrieb Abgeltungen von Bund und Kanton.

Erzielt der Betrieb einen Überschuss im konzessionierten Betrieb, muss dieser für schlechtere Jahre zur Seite gelegt werden. In den Jahren 2016 und 2017 mussten diese Reserven angezapft werden. Auf einzelne Jahre sei das kein Problem. Jedoch funktioniere ein längerfristiger Bezug aus diesen Reserven längerfristig natürlich nicht. «Das ist natürlich ein Wermutstropfen», sagt Mathias Zopfi.

Der Verlust im konzessionierten Buslinien-Betrieb, hat damit zu tun, dass weniger Leute den Bus benutzen. Es gibt aber noch einen anderen: die Billettpreise.

Seit 2016 ist der Kanton Glarus Mitglied beim Tarifverbund Ostwind. Das hat dazu geführt, dass die Preise für die ÖV-Billette um über 20 Prozent gesunken sind. «Wenn die Kunden weniger bezahlen, nimmt auch jemand weniger ein. Und das sind wir», sagt Zopfi. Mit dem Tarifverbund sei die Fahrt von Zürich nach Schwanden gleich teuer wie die von Zürich nach Obererbs «und das Geld fehlt dann in den Kassen», erklärt er. Für einen kleinen Betrieb wie die AS sei das ein happiger Brocken, weil trotz den tieferen Preisen nicht mehr Passagiere dazugekommen seien.

Verzerrte Frequenzen

Erschwerend komme mit dem Tarifverbund hinzu, dass die Auszahlungen an die beteiligten Betriebe aufgrund von einzelnen Frequenzerhebungen bestimmt werden. «Diese Frequenzen werden im Verhältnis zum ganzen Tarifverbund Ostwind aufgeschlüsselt und entschädigt.

Bei Frequenzerfassungen mit schlechtem Wetter sinken unsere Einnahmen. Automatische Zählsysteme reduzieren diese Schwankungen und führen zu genaueren Ergebnissen. Bei den neuen Fahrzeugen werden diese eingebaut, was jedoch mit Kosten verbunden ist», erklärt er.

Heute findet die Generalversammlung der Autobetriebe Sernftal statt. Zopfi will zu dieser Gelegenheit auch ausführlich über die strategischen Entscheide für die Zukunft des Betriebs orientieren. «Es geht dabei vor allem um unsere Wachstumsstrategie, dass wir uns auch im Glarner Unter- und Mittelland um die Bus-Konzession beworben haben», sagt er.

Der Postauto-Skandal und seine Folgen fürs Sernftal

Anfang Jahr flog der Sachverhalt auf: Jahrelang hatte die konzessionierte Busbetrieb-Sparte der Post (Postauto) mutmasslich Gewinne in der Buchhaltung versteckt. Subventionierte Betriebszweige dürfen aber keine Gewinne machen beziehungsweise müssen diese sauber ausweisen. Das wird jährlich vom Bundesamt für Verkehr (BAV) geprüft.

Für die konzessionierten Busbetriebe wie die Autobetrieb Sernftal AG hat der Skandal Folgen, auch wenn sie nichts mit den Mauscheleien zu tun haben. AS-Verwaltungsratspräsident Mathias Zopfi: «Die Kontrollen sind merklich strenger geworden.

Der Aufwand bei Anfragen ist deutlich gestiegen», sagt er. Er vergleicht es mit dem Finanzskandal aus dem Jahr 2007: «Dieser hat zu härteren Regulierungen im ganzen Sektor geführt. Wenn ein Gesetz wegen einer Grossbank geändert wird, trifft das am Schluss auch die Glarner Regionalbank.»

Zwar erwarte er keine neuen Gesetze, weil die Post nicht eine Gesetzeslücke gefunden, sondern mutmasslich gesetzeswidrig gehandelt habe. «Aber die Transportbranche wird in Zukunft unter strengerer Beobachtung stehen», vermutet Zopfi. (sdü)

Kommentar schreiben

Kommentar senden