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Unsichere Aussichten für die Wintersaison

Das Coronavirus sorgt im Tourismuskanton Graubünden für viele Fragezeichen. Ein erstes Skigebiet hat die Konsequenzen gezogen. Zumindest eine zentrale Frage könnte aber heute geklärt werden.

Patrick
Kuoni
Mittwoch, 12. August 2020, 04:30 Uhr Viele Fragezeichen wegen Corona
Geschlossen: Die Fideriser Heuberge werden in der Wintersaison 2020/21 keine Gäste empfangen.
HEUBERGE AG

Voraussichtlich heute entscheidet der Bundesrat, ob ab Ende August wieder Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen erlaubt sein werden. Glaubt man Recherchen der Zeitung «Blick», wird das Verbot wohl aufgeweicht. Vor allem die bürgerlichen Bundesräte würden sich demnach für eine Öffnung aussprechen. Dies nicht zuletzt wegen der ansonsten düsteren Aussichten für den Schweizer Sport.

Auch HCD-Präsident Gaudenz Domenig meinte kürzlich auf ein Szenario angesprochen, dass eine Verlängerung des Verbotes von Veranstaltungen mit über 1000 Zuschauern bis im März skizzierte: «Ein solcher Entscheid brächte im Eishockey eine ganze Anzahl Klubs in eine Situation, in der sie kurz vor dem Konkurs stünden.» (Ausgabe vom 30. Juli). Auch der HCD würde in diesem Fall «mit lebensbedrohlichen Szenarien konfrontiert». Auch auf die Durchführung des Spengler Cups dürfte der Entscheid grosse Auswirkungen haben.

Auf der Kippe stünden bei einer Verlängerung des Veranstaltungsverbotes wohl alleine in Davos auch der Langlauf-Weltcup Mitte Dezember und der Parallelslalom-Weltcup am Neujahrstag am Bolgen. Und wenn das Verbot gar bis Ende März verlängert würde, so wären auch der Engadin Skimarathon, der Ski-Weltcup auf der Lenzerheide und das Sunice-Festival in St. Moritz (alle im März 2021 geplant) gefährdet.

Graubünden dagegen

Würde der Bundesrat tatsächlich vom Verbot abkommen, täte er dies ohne die Unterstützung der Mehrheit der Kantone, auch wenn einzelne Regierungen – etwa jene des Kantons Zug – sich inzwischen positiv zu einer Lockerung geäussert haben.

Der Bündner Gesundheitsdirektor Peter Peyer erklärte dagegen im Hinblick auf den anstehenden Entscheid des Bundesrates: «Das Gesundheitsamt Graubünden und das Department für Justiz, Sicherheit und Gesundheit hat sich in der Vernehmlassung der Gesundheitsdirektorenkonferenz für eine Beibehaltung der 1000-Personen-Regel bis vorerst Ende Jahr ausgesprochen, mit einer Überprüfung der Situation im November.»

Sollte die 1000-Personen-Regel vom Bundesrat aufgehoben werden, so seien Begleitmassnahmen unumgänglich, so Peyer. So etwa eine Ausweitung der Maskenpflicht. «Werden Masken konsequent getragen, zum Beispiel nicht nur im Stadion, sondern auch im Bus oder Zug und beim Eingang und in der Pause, dann könnten auch grössere Veranstaltungen möglich sein.» Der Kanton warte nun ab, ob der Bundesrat, falls er Grossveranstaltungen wieder zulasse, auch weitere Massnahmen beschliesse, oder ob das in diesem Fall die Kantone machen müssten.

Verschiedene Fallstricke

Unabhängig davon, ob das Grossveranstaltungsverbot aufgeweicht wird oder nicht: Der bevorstehende Winter wird für einige Tourismusdestinationen schwierig. Denn einige grössere und kleinere Anlässe wurden bereits definitiv abgesagt, sodass mancherorts viele Gäste und somit Wertschöpfung in verschiedenen Bereichen verloren gehen. Ausserdem geht die Angst um, was passiert, wenn die Corona-Fallzahlen im Winter etwa in Graubünden stark ansteigen. Ein entsprechendes Konzept dazu ist fertiggestellt, muss aber noch von der Bündner Regierung abgesegnet werden.

Betriebliche Lösungen gefragt

Mitten in den Vorbereitungen befinden sich auch die Bergbahnen. «Im Grundsatz spricht sich Bergbahnen Graubünden klar für branchen- oder gar unternehmensspezifische Lösungen vor Behördenlösungen aus», so Marcus Gschwend, Geschäftsführer des Branchenverbandes. Dadurch erhalte man zum einen die Möglichkeit, auf spezifische Situationen oder Besonderheiten vor Ort einzugehen «und zum anderen sind Anpassungen einfacher und schneller möglich».

Gschwend sagt ausserdem, dass die eigentliche Aktivität, der Schneesport auf den Pisten, im Bezug auf den Gesundheitsschutz kein Problem sei. «Herausforderungen stellen Massierungen von Personen dar, etwa beim Transport oder in der Gastronomie.»

Schlittelpiste bleibt zu

Genau deshalb werden wohl nicht alle Skigebiete öffnen. Dies beweist eine Mitteilung der Fideriser Heuberge AG. Dort fällt die Wintersaison 2020/21 komplett ins Wasser. Auch die Schlittelbahn bleibt geschlossen. «Im Ski- und Schlittelgebiet der Heuberge spielt sich das Leben im Winter vor allem auf dem Berg in den drei Berghäusern und den beiden Restaurants auf 2000 Metern ab. Wir sind uns deshalb bewusst, dass wir die Abstands- und Hygienemassnahmen nicht einhalten können», erklärt der Geschäftsführer Henrik Vetsch gegenüber TV Südostschweiz. «Im Gegensatz zur Sommersaison lassen die betrieblichen Abläufe während der Wintersaison keinen wirtschaftlichen Betrieb zu, bei welchem die Vorsichtsmassnahmen zielführend umgesetzt und verantwortet werden könnten», so Vetsch. So wisse die Geschäftsführung nun, wie gross die finanzielle Belastung sein werde. «Wenn wir den Betrieb öffnen und einen Coronafall verzeichnen, wäre dies ein nicht abschätzbares Risiko.»

Die Geschäftsleitung habe den Entscheid früh treffen wollen, damit Gäste und Mitarbeitende bereits Bescheid wüssten. «So haben sie vielleicht auch noch die Chance, irgendwo anders unterzukommen.»

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Die aktuelle Entwicklung der Infektionszahlen zeigt deutlich auf, dass jede Art von Menschenansammlungen zu "Virenschleudern" führen. Bei der Art des Tourismus generell - Touristen-Intensivhaltung - gebietet schon der "Hausverstand", keinerlei derartigen Aufenthalt, weder in Tourismusorten noch an Sportveranstaltungen. Die Schutzkonzepte - Masken, Abstand - werden auch jetzt in erheblichen Masse nicht eingehalten, daher ist Teilnahme am Wintertourismus - auf alle Fälle für mich - völlig undiskutabel.