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Roger Federer muss wegen Seeweg bangen

Die Altlastensanierung, die Roger Federer auf seinem Grundstück in Rapperswil-Jona plant, wird nicht einfach durchgewunken. Der Verein Rives Publiques – und eine lokale Politikerin – erheben Einsprache, denn sie wollen einen öffentlich begehbaren Trampelpfad.

Fabio
Wyss
Dienstag, 21. Januar 2020, 06:48 Uhr Roger Federer droht Einsprache
Aufkommender Gegenwind: Dem bis gestern aufgelegten Baugesuch Roger Federers droht eine Einsprache – aus altbekannten Kreisen.
Bild Fabio Wyss

Einwandfrei verlief das Auftaktspiel Roger Federers an den Australian Open – er gewann gestern klar in drei Sätzen. Nicht ganz ohne Einwände schreitet sein Bauvorhaben in der Kempratener Bucht voran.

Der Verein Rives Publiques erhebt Einsprache gegen die geplante Altlastensanierung (Ausgabe vom 7. Januar). Die per E-Mail versandte Einsprache geht nicht nur an den Stadtrat von Rapperswil-Jona, sondern auch an die Kantonsregierung, das Bundesamt für Umwelt und diverse Naturschutzorganisationen.

Trampelpfad von Gesetzes wegen

Victor von Wartburg, Präsident der Einsprecherpartei, sagt auf Anfrage: «Wir wollen am Ufer des Zürichsees entlang einen zwei Meter breiten Trampelpfad.» Denn per se sei es gesetzeswidrig, dass es keinen durchgehenden öffentlichen Seeweg gebe.

Von Wartburg beruft sich auf ein Bundesgerichtsurteil aus dem Jahr 2001: Aus diesem geht hervor, dass öffentliche Gewässer und ihr Bett – also die direkte Uferzone – eine unzertrennliche Einheit bilden. Also sei die Uferzone genauso öffentlich wie der See. Rund drei unterschiedliche Geometer hätten ihm diese Gesetzeslage bestätigt.

Rives Publiques hat diese Forderung bereits im Sommer gestellt (Ausgabe vom 14. August). Zürichsee Landschaftsschutz wies sie damals ab. Auch heute gibt auch Martin Stöckling, Stadtpräsident von Rapperswil-Jona, dem Begehren wenig Kredit (siehe «Fünf Fragen an»).

Gemäss von Wartburg gehe es bei der Einsprache nicht nur um Federer, sondern den ganzen Kanton St. Gallen. «Die St. Galler Behörden sind beispielhaft schlecht, wenn es um Sachen wie Grundbucheinträge geht.»

«Fragwürdige Dekontaminierung»

Handelt es sich bei der Einsprache bloss um einen Vorwand, um politische Forderungen durchzuboxen? Fakt ist: Bei seinem bis gestern öffentlich einsehbaren Baugesuch will Federer sein Grundstück von Ziegel- und Mauerabfällen der ehemaligen Ziegelei befreien. In der Einsprache bezeichnet Rives Publiques diese Dekontaminierung als fragwürdig. Tatsächlich wird im Baugesuch das Risiko, das von diesem Bauschutt für die Umwelt ausgeht, als gering bis inexistent beurteilt. Dahingegen werden Glas- und Metallstücke im Wasser als problematisch für Mensch und Tier bewertet.

Der bei der Stadtverwaltung für Baubewilligungen zuständige Andri Pfister hält das geplante Vorhaben, für eine «gute Sache», meint aber auch: «Der Normalbürger würde diese Sanierung wohl nicht vornehmen. Rives Publiques führt gegen das Bauvorhaben egoistische Ansprüche Federers wie die «ungehinderte Sicht auf den See und einen privaten Hafen» ins Feld.

Auch für einen von der «Linth-Zeitung» angefragten Experten existieren Fragezeichen. Gemäss der anonymen Quelle sei es bei Bauvorhaben üblich, vorab Erdproben zu nehmen. «Dass man die Altlastensanierung nicht zusammen mit der Hauptbewilligung einreichte, erscheint in diesem Zusammenhang speziell.»

Der Volkswille setzt sich durch

Dennoch ist fraglich, ob in der Rosenstadt – mit seinen grosszügig ausgestatteten Fusswegen – die Forderung Gehör findet. Von Wartburg meint, der vollumfängliche Zugang für die Öffentlichkeit sei breit abgestützt in der Bevölkerung. Er erwähnt Umfragen aus der Waadt, bei der drei Viertel der Befragten einem Seeweg zustimmten. Ob in der Romandie oder am Zürichsee – eines bleibt gemäss von Wartburg gleich: «Es braucht viel Zeit und Geld. Die Demokratie wird den Volkswillen aber früher oder später regeln.»

Zuerst gilt es aber, eine formale Hürde zu überspringen: Die Einsprache wurde – Stand gestern – noch nicht gültig eingereicht, sondern nur auf elektronischem Weg.

Von Wartburg meinte auf Anfrage, er werde das noch nachholen. Unterzeichnen werde auch Silvia Kündig, 15 Jahre lang Kantonsrätin für die Grünen und wohnhaft in Rapperswil-Jona. Dies, damit die Einsprache gesetzlich legitimiert sei.

Interview zur Einsprache mit dem Stapi Bild zVg

Fünf Fragen an …
Martin Stöckling

Stadtpräsident
Rapperswil-Jona
1) In der Einsprache kritisiert Victor von Wartburg, Präsident von Rives Publiques, Sie als Stadtpräsidenten. Stimmt es, dass Sie seine bisherigen Anliegen nicht beantwortet haben?
Das ist insofern richtig, es gab unsererseits keine offizielle Rückmeldung. Er
richtete eine Mailanfrage an gefühlt jede politische Stelle zwischen
dem Stadtrat von Rapperswil-Jona und dem Bundesrat, weshalb ich
es für angebracht hielt, mich auf die öffentliche Stellungnahme zu
beschränken.
2) Wie beurteilen Sie die eingegangene Einsprache beim Bauvorhaben von Roger Federer?
Der Verein fordert einen öffentlichen Seeweg und nutzt diese Altlasten­sanierung dazu. Ganz am Rand stellt er Bezüge her mit dem eigentlichen Bauprojekt. Bei uns sind der politische Wille respektive ein öffentliches Bedürfnis für den öffentlichen Seeweg nicht vorhanden. Von 14 Kilometern Uferlinie sind in Rapperswil-Jona
lediglich vier Kilometer privat, darum findet diese Forderung keinen Widerhall. Am Genfersee, wo Herr Von Wartburg herkommt, besteht offensichtlich eine andere Situation.
3) Wird das Ganze ernst genug genommen? Es geht immerhin um eine Forderung, von der die Öffentlichkeit Rapperswil-Jonas profitieren könnte.
A prima vista ist insbesondere abzuklären,
ob hier das Verbandsbeschwerderecht greift. Ich vermute, dass sowohl der Verein als auch die Privatperson
gesetzlich nicht legitimiert sind,
um einzusprechen. Aber klar ist:
Wir nehmen die Einsprache sehr ernst.
4Auf den Bildern könnte
tatsächlich der Eindruck
entstehen, dass am Ufer­bereich Arbeiten vonstattengingen. Von Wartburg bezeichnet dies als unrechtmässig. Wie sehen Sie das? Soweit mir bekannt ist, ist dies nicht der Fall. Unseres Erachtens ist nichts ausserhalb des bewilligten
Rahmens erfolgt.
5) Weiter wird moniert, dass die schwarzen Sichtschutzwände gesetzeswidrig seien …
Diese entsprechen dem üblichen
Vorgehen, und die gibt es auch bei
anderen Bauvorhaben in der Stadt. Dass ein Bau von Roger Federer mehr Aufmerksamkeit erregt, ist klar.
Meines Erachtens ist es dem Bau­herren überlassen, wie stark er den Bau vor öffentlichen Blicken schützen will. (wyf)

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