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US-Experte Fauci: Einige Bundesstaaten haben sich zu früh geöffnet

Nach Einschätzung von US-Immunologe Anthony Fauci ist das Coronavirus der «schlimmste Alptraum». Die aktuellen Corona-Ausbrüche in vielen Teilen der Vereinigten Staaten seien auf die zu frühe Wiedereröffnung einiger Bundesstaaten zurückzuführen.

Agentur
sda
Freitag, 10. Juli 2020, 06:19 Uhr Washington
Der Immunologe und Berater der US-Regierung, Dr Anthony Fauci, bezeichnet das Coronavirus wegen seiner leichten Übertragbarkeit als "schlimmsten Alptraum". (Foto: Kevin Dietsch/AP/KEYSTONE-SDA)
Der Immunologe und Berater der US-Regierung, Dr Anthony Fauci, bezeichnet das Coronavirus wegen seiner leichten Übertragbarkeit als "schlimmsten Alptraum". (Foto: Kevin Dietsch/AP/KEYSTONE-SDA)
KEYSTONE/AP/Kevin Dietsch

«In einigen Staaten sprangen die Gouverneure und Bürgermeister im wesentlichen über die Richtlinien und Kontrollpunkte und öffneten etwas zu früh», sagte Fauci dem Podcast «FiveThirtyEight», der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Der Experte und Berater der US-Regierung nannte Florida als Beispiel, das einige Richtlinien ausser Acht gelassen habe.

Dass die USA mit momentan täglich um die 60'000 nachgewiesenen Neuinfektionen hohe Anstiege verzeichnen, führte Fauci dabei auch auf die Zerstrittenheit der amerikanischen Politik zurück: «Ich denke, man muss davon ausgehen, dass es ohne eine solche Spaltung einen koordinierteren Ansatz geben würde».

Einigen Politikern in den Vereinigten Staaten, allen voran Präsident Donald Trump und einigen Gouverneuren, wurde mehrfach vorgeworfen, in der Pandemie Entscheidungen unter politischen und nicht gesundheitlichen Gesichtspunkten zu treffen.

Coronavirus «schlimmster Alptraum»

Auf einer Veranstaltung des US-Mediums «The Hill» bezeichnete Immunologe Fauci das Coronavirus wegen seiner leichten Übertragbarkeit unterdessen als «schlimmsten Alptraum».

Die Effizienz, mit der das Virus Menschen anstecke, sei «wirklich bemerkenswert», sagte Fauci. Er riet den besonders betroffenen Bundesstaaten, geplante Lockerungen der Corona-Auflagen auf Eis zu legen.

Die USA hätten es nach der ersten Zuspitzung der Pandemie im März nie geschafft, weniger als 20'000 Neuinfektionen pro Tag zu erreichen. Trotzdem hätten südliche Bundesstaaten ihre Beschränkungen schnell gelockert, erklärte Fauci. «Das müssen wir besser machen.» Die Lage ist vor allem in den Bundesstaaten Florida, Texas, Kalifornien und Arizona ernst.

Eine der grossen Herausforderungen des Coronavirus sei es, dass es viele Infizierte gebe, die den Erreger weiter verbreiteten, selbst jedoch keine Symptome zeigten, erklärte Fauci.

Der Experte ist der Direktor des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten und ein Mitglied der Corona-Arbeitsgruppe des Weissen Hauses. Vergangene Woche hatte er bei einer Anhörung im Kongress gewarnt, ohne entschlossenes Gegensteuern könne die Zahl der Neuinfektionen pro Tag in den USA bald auf bis zu 100'000 steigen.

Kritik vom Präsidenten

US-Präsident Donald Trump hat den Immunologen unterdessen am Donnerstagabend kritisiert: «Fauci ist ein netter Mann, aber er hat viele Fehler gemacht», sagte er im Interview mit einem seiner Lieblings-Fernsehmoderatoren, Sean Hannity, auf dem Sender Fox. Die Experten hätten bei vielen Dingen Fehler gemacht.

Trump drängt seit Monaten auf eine schnelle Wiedereröffnung der Wirtschaft. Eine starke Ökonomie, die in den Vereinigten Staaten noch im Februar auf Rekordkurs war, sieht er als eines der besten Argumente für seine Wiederwahl im November.

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