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Bundesrat tagt in Zürich: «Wir treffen unsere Chefs»

Der Bundesrat hat seine Sitzung vom Mittwoch für einmal nicht im Bundeshaus abgehalten, sondern im Landesmuseum in Zürich. Bei einem Apéro im Innenhof mischten sich die Bundesräte danach unters Volk. «Wir treffen unsere Chefs», sagte Bundespräsident Ueli Maurer (SVP).

Agentur
sda
Mittwoch, 15. Mai 2019, 14:37 Uhr Zürich

Käse, Landjäger und Polizeimusik: Rund 150 Zürcherinnen und Zürcher nutzten die Gelegenheit, um beim Apéro einige Worte mit einem Bundesrat wechseln zu können.

Das Wetter spielte leider nicht ganz so mit. «Huere chalt, würde man bei uns im Oberland sagen», so Maurer. Bereits zum 14. Mal tagte der Bundesrat «extra muros», also ausserhalb der Mauern. Der Begriff «extra muros» behagt Maurer allerdings nicht. «Das bedeutet ja, dass wir sonst hinter Mauern sitzen.» Für ihn sei es vielmehr eine Tour de Suisse, bei welcher der Austausch mit den Regionen gepflegt werde.

Dass der Bundesrat mit dem Zug anreisen und ungestört quer durch die Zürcher Bahnhofshalle gehen konnte, ist für Maurer aussergewöhnlich. «Wohl in keinem anderen Land ist das möglich. Das ist eine Qualität der Schweiz, die wir erhalten müssen», sagte er.

Für ihn ist das Treffen mit dem Volk ein Treffen mit den Vorgesetzten. «Sie sind unsere Chefs», sagte er zu den Anwesenden. «Jetzt schauen wir, ob Sie zufrieden sind mit uns. Ausserdem zahlen Sie unseren sehr guten Lohn, vielen Dank dafür.»

«Man ist nicht ganz normal»

Negatives haben Bundesräte an solchen Anlässen aber kaum zu befürchten. «Es gibt eigentlich mehr Komplimente», sagte Maurer. Dass es vielen Leuten wichtig ist, das Gespräch mit einem Bundesratsmitglied zu suchen, erstaunt den langjährigen Bundesrat Maurer noch immer. «Als Bundesrat hat man das Gefühl, ganz normal zu sein. Aber man ist nicht ganz normal.»

Maurer selbst hatte Zürich als Ort für die diesjährige «extra muros»-Sitzung ausgewählt. «Ich hatte ja keine Bundespräsidenten-Feier. Das ist etwas die Kompensation dafür.»

Zudem dürfe man ruhig auch mal wieder sagen, dass «ohne Zürich in der Schweiz nicht viel geht». Zürcher hätten aber oft das Gefühl, sie würden zugunsten von ärmeren Kantonen benachteiligt.

Ein Riesen-Tirggel für Ueli Maurer

«Wir wissen, dass wir vielerorts Ablehnung auslösen und es einen Anti-Zürich-Reflex gibt», sagte die Zürcher Regierungspräsidentin Carmen Walker Späh (FDP). Dabei habe Zürich so viel zu bieten, nicht nur als Beitragszahler in den Finanzausgleich.

Für Maurers Liebeserklärung an den bevölkerungsreichsten Kanton schenkte ihm Walker Späh eine Freitag-Tasche in blau-weiss voller regionaler Spezialitäten. Für zusätzliche Energie erhielt Maurer einen riesigen Tirggel, ein traditionelles Honiggebäck, das in jedes Zürcher Samichlaus-Säckli gehört.

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