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Leserbrief

Wahlsorgen eines Proleten

Philippe Recher,
14. Mai 2018, 20:45:32

Je mehr ich über die Ursprünge von Reichtum und Macht in der Schweiz lese und höre, desto besser kann ich die politische Haltung eines Freundes von mir verstehen: Mein Freund geht nämlich gar nicht erst wählen. "Wieso eigentlich nicht!?" fragte ich ihn neulich. Er meinte: "Weisst du, diese ganzen "plakativen" Lächler, sie werden auch lächeln, wenn sie nach ihrer Wahl für diesen oder jenen Verwaltungsratsjob angefragt werden oder wenn es insgesamt darum geht gegenüber den Herren der Banken und Industrie artig zu sein. Auch sie werden dem System dienen."
Dann würde das heissen: Was im Grossen geschieht (beim Bund: "Die Finanzwirtschaft hat das Gewicht von 6 Prozent aller Beschäftigten, 12 Prozent des BIP, über 20 Prozent der Steuereinnahmen der öffentlichen Hand und einen hohen Anteile aller Kredite von Unternehmen und Privaten im Land."; Quelle: Mäder, Aratnam, Schilliger, 2013), passiert auch auf kantonaler Ebene; ja, es ist fast schon ein (un)menschliches Prinzip: Wo sich Kapital konzentriert, da ist die wirkliche Macht. Kommt es da noch drauf an, wessen Lächeln ich dazu wähle? Steile These, ich weiss. Aber steiler ist geiler und solange unsere Schule hauptsächlich reine Wissensmenschen fördert (keine Geistesmenschen) wird die konsumkapitalistische Maschine auch weiterhin teufelskreiseln: Politik ist dann höchstens ein Mittel zum Zweck. Und der Zweck ist die Vermehrung des Kapitals, zumindest auf der einen Seite.
Also unterscheiden wir Ursache von den Wirkungen: Unser System bräuchte eine Wurzelbehandlung, also wir: ich und das Volk (damit mein Leserbrief auch noch SVP-konform wird!) wir müssen der Gier ins uns begegnen und ihr entgegentreten. Ich gebe also nicht auf und wähle dennoch: Vielleicht ausschliesslich Frauen, vielleicht auch nur den Bardill (der sieht ja auch aus wie eine).
Aber mehr als alles, will ich versuchen bescheiden zu bleiben und nicht dem Mammon zu verfallen (falls das für mich als Westeuropäer überhaupt noch möglich sein sollte!).

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