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Künstler im Bann der weissen Pracht

Der Churer Galerist Luciano Fasciati zeigt in seiner neuen Ausstellung, wie sich die Kunstwelt mit dem Thema Schnee auseinandersetzt.

Valerio
Gerstlauer
Freitag, 06. Dezember 2019, 10:00 Uhr Ausstellung in Chur
PHILIPP BAER

Für ihr Kinderbuch «Schellen-Ursli» ernteten die Autorin Selina Chönz und der Maler Alois Carigiet nach dem Zweiten Weltkrieg weltweit Anerkennung. Es war unübersehbar: Hier hatte sich ein kreatives Traumpaar gefunden. An den Erfolg des Klassikers konnte das Duo mit den Fortsetzungen «Flurina und das Wildvöglein» (1952) und «Der grosse Schnee» (1957) anknüpfen.

«Der grosse Schnee», der dritte Teil der Trilogie, bildet nun die Grundlage der gleichnamigen Ausstellung in der Galerie Luciano Fasciati in Chur. In einer Vitrine führt Fasciati zunächst vor Augen, wie international die Resonanz auf die Geschichte war, in der Schellen-Ursli seine Schwester Flurina aus einem Schneesturm rettet. Originalausgaben in deutscher Sprache lassen sich da neben Editionen aus Japan, Südkorea, Taiwan, Italien, Frankreich und Grossbritannien entdecken.

Gleich darüber an der Wand hängen fünf Originalzeichnungen, die Carigiet für den «Grossen Schnee» angefertigt hat. Sie sind Leihgaben der Stiftung Bündner Kunstsammlung und überraschen mit einer farblichen Strahlkraft, die von den entsprechenden Illustrationen in den Büchern nur ansatzweise wiedergegeben werden können. Das 1965 entstandene Gemälde «Kurgäste» ergänzt das Ensemble. Carigiet zeigt in diesem museumswürdigen Werk aus einer Churer Privatsammlung einen Grad an Abstraktion, der nicht automatisch mit seinem Schaffen in Verbindung gebracht wird.

Blick in die Vergangenheit

Den Arbeiten Carigiets stellt Fasciati Exponate 15 zeitgenössischer Künstler gegenüber. Die Thematik des Schnees leitete den Galeristen auch hier bei der Auswahl. Beispielsweise wühlte der Fotokünstler Jules Spinatsch eigens für die Ausstellung in seiner Postkartensammlung. 72 historische Winterfotos aus Davos fanden so ihren Weg in die Galerie, wo sie in einem alten Postkartenständer bestaunt werden können.

An Roman Signers Werk «Rollen» fand Fasciati ebenfalls Gefallen. Der St. Galler Konzeptkünstler rollte hierfür Langlaufski in einen weissen Teppich: Die Kombination evoziert das Bild einer Schneelawine, die alles auf ihrem Weg verschlingt. Mit verspielter Morbidität weiss auch Ursula Palla ihre Videoarbeit «Great White II» zu unterfüttern: Schneemänner mit kohlschwarzen Augen schmelzen einer nach dem anderen im Zeitraffer dahin – ihre Köpfe fallen jeweils mit dumpfem Knall zu Boden.

Musik zu Hans Danusers Werk

Teil der Ausstellung sind des Weiteren Judith Albert, Andrea Giuseppe Corciulo, Patrik Fuchs, Gabriela Gerber & Lukas Bardill, Gian Häne, Pascal Lampert, Daniel Meuli, Stefan Rüesch, Not Vital und Dominik Zehnder. Zum dreiteiligen Foto-Tableau «Schmetterlingsschwarm im Frühlingsschneesturm» von Hans Danuser wird die Haldensteiner Pianistin Vera Kappeler zudem am Samstag, 28. Dezember, um 17 Uhr eine Komposition und Improvisation zum Besten geben.

«Der grosse Schnee».
Bis 28. Dezember. Galerie Luciano Fasciati, Chur. Führung: Mittwoch, 11. Dezember, 19 Uhr.

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