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Das Konzert der Cellistenfamilie Cuonz

Die Leidenschaft für die Musik verbindet Reto, Flurin und Gian-Andri Cuonz. Am Sinfoniekonzert des Glarner Kammerorchesters spielen sie zum ersten Mal zu dritt ein Konzert. Eine Cellistenfamilie erzählt.

Südostschweiz
Mittwoch, 15. Mai 2019, 04:30 Uhr Drei Brüder – drei Cellos
Gian-Andri Cuonz
Gian-Andri, Reto und Flurin Cuonz spielen am Sinfoniekonzert des Glarner Kammerorchesters.
ALEXANDRA BÄRTSCH

von Alexandra Bärtsch

Wenn zweijährige Kinder mit Bauklötzen spielen, bauen sie normalerweise Türme. Flurin Cuonz (32-jährig) versuchte damit Cello zu spielen. Da Vater Reto (63) zu Hause übte, wurde Flurin die Musik regelrecht in die Wiege gelegt. Der Cellist, Dirigent und Musikschullehrer fand aber zusammen mit seiner Frau, dass es noch zu früh für die ersten Unterrichtsstunden sei. «Ich musste mich mit dem Sandkasten begnügen. Das war auch nicht schlecht», meint Flurin Cuonz schmunzelnd. Denn das führte nicht dazu, dass ihm die Lust auf die Musik verging. Im Gegenteil. Mit acht Jahren hatte er dann endlich die ersten Cellostunden und widmete sich später beruflich der Musik. Der Profimusiker glänzte an Musikwettbewerben und ist heute unter anderem Aushilfe beim Zürcher Tonhallenorchester.

Als Solist wird er am 25. Mai am Sinfoniekonzert des Glarner Kammerorchesters in Ennenda auftreten. Die Liebe und Leidenschaft zum Cello teilt er nicht nur mit Vater Reto, der an diesem Tag am Dirigentenpult stehen wird. Sein Bruder Gian-Andri (19) wird im Orchester ebenfalls als Cellist mitspielen. Dass es dazu gekommen ist, ist nicht selbstverständlich.

Noch ein Cellist

Ein Sohn, der Cello spielt, hätte Reto Cuonz nämlich gereicht. «Meine Eltern waren überhaupt nicht begeistert, als ich auch noch mit Cello beginnen wollte», sagt Gian-Andri Cuonz. Flurin ging mit seinem 13 Jahre jüngeren Bruder sogar an einen Instrumentenparcours, damit er verschiedene Instrumente ausprobieren konnte. Das Fazit von Gian-Andri: Cello gefällt ihm am besten. Es sei eine Alibiübung gewesen, sind sich die Brüder einig. Gian Andri erzählt: «Der eigentliche Grund, weshalb ich Cello spielen wollte, war mein Bruder. Er war mein Vorbild.» Letzten Sommer hat der jüngste Cuonz die Schule abgeschlossen. Seine Studienwahl überrascht kaum. Er bereitet sich auf die Musikhochschule vor.

«Meine Eltern waren überhaupt nicht begeistert, als ich auch noch Cello spielen wollte.
Gian-Andri Cuonz

Obwohl er seine Söhne nie zur Musik gedrängt hat, findet es Reto Cuonz schön, dass beide Musiker geworden sind. «Als Eltern hat man immer Freude, wenn die Kinder eine Leidenschaft entdecken und Feuer fangen. Egal, was das ist.» Nicht nur die Männer in der Familie Cuonz sind musikalisch unterwegs. Therese Cuonz, die Mutter von Flurin und Gian-Andri, ist Musikpädagogin. Schwester Selina ist Harfenistin.

Obwohl die ganze Familie von der Musik lebt, scheint es Eifersucht und Konkurrenzkämpfe nicht zu geben. Jeder mache sein eigenes Ding. «Im Gegensatz zu Flurin spiele ich fast nur Barockcello, und Gian-Andri ist fast schon eine andere Generation», erklärt Reto Cuonz. Dass Gian-Andri als Jüngster in grosse Fussstapfen tritt, stresst ihn überhaupt nicht. Mehrere Jahre unterrichtete Flurin seinen kleinen Bruder – weil Gian-Andri das unbedingt wollte. «Ich war von dieser Idee am Anfang nicht wirklich überzeugt», sagt Flurin. «Es hat aber erstaunlich gut funktioniert. Blödsinn haben wir mehr nach der Stunde gemacht.»

Neben Gian-Andri ging auch schon Vater Reto bei seinem Sohn in die Cellostunden. Probleme hatte er damit keine. «Ich konnte während dieser Zeit unglaublich viel von Flurin profitieren», sagt Reto Cuonz.

Am Probenwochenende des Glarner Kammerorchesters haben die drei das erste Mal zusammen geprobt. In dieser Konstellation ein Konzert gespielt haben sie noch nie. Das Sinfoniekonzert ist eine Familienpremiere. Es braucht nicht viele Worte, um zu beschreiben, wie sie das finden: «Super», «Hammer», «mega schön». Sie strahlen um die Wette.

«Hosen sind bei uns kein Thema. Es geht um die Musik.»
Reto Cuonz

Flurin Cuonz kennt das Cellokonzert in D-Dur von Joseph Haydn, das er als Solist spielen wird, in- und auswendig. Bereits früh im Studium habe er das Konzert erlernt und an seiner Abschlussprüfung vorgespielt. Der erste Satz ist zudem ein Stück, das er bei jeder Bewerbung für eine Orchesterstelle präsentieren muss. «Es ist schön, dass der Druck des Probespiels am Konzert jetzt ganz wegfällt», sagt Flurin Cuonz.

Im Gegensatz zu Flurin wird Gian-Andri auch die «Linzer Sinfonie» von Wolfgang Amadeus Mozart und die Sinfonie «Le Matin» von Haydn mit dem Orchester mitspielen. Seine Begeisterung für das Cellokonzert können diese Stücke zwar nicht übertrumpfen, sie gefallen ihm trotzdem. «Ich finde selten ein Musikstück langweilig. Und wenn, dann bei weniger bekannten Komponisten als Mozart oder Haydn. Es gibt einen Grund, dass sie so berühmt sind.»

«Hosen? Es geht um die Musik»

Während den Proben rückt ihre private Verbundenheit aber völlig in den Hintergrund. Die drei sind sich einig: Man bewege sich sofort auf einer professionellen Ebene. Ob Sohn Flurin oder Vater Reto während den Proben die Hosen anhat? «Hosen sind bei uns kein Thema. Es geht um die Musik», antwortet Reto Cuonz prompt. Zustimmendes Nicken folgt.

«Es ist schön, dass der Druck des Probespiels am Konzert jetzt ganz wegfällt.»
Flurin Cuonz

Ganz einer Meinung sind sie sich aber nicht immer. «Nach einer Probe haben wir neulich im Zug über das Tempo des zweiten Satzes philosophiert. Reto wollte ihn lieber etwas schneller spielen, ich langsamer», sagt Flurin. Streit gab es wegen der Musik aber noch nie. «Diskussionen sind inspirierend und bringen einen weiter. Solange man sich dessen bewusst ist und man diese Offenheit mitbringt, kann man gar nicht richtig streiten.» Und einmal mehr sind alle drei einer Meinung.

Sinfoniekonzert des Glarner Kammerorchesters: Samstag, 25. Mai, um 20 Uhr im Gemeindehaussaal Ennenda.

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