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Wenn einer 55'000 Franken im Bauch trägt

Kürzlich wurde an der Grenze in Kriessern ein Mann gefasst, der 92 Kokainfingerlinge im Magen «getragen» hat. Wie das genau funktioniert, erklärt Rechtsmediziner Daniel Wyler vom Kantonsspital Graubünden.

Reto
Jost
Mittwoch, 16. Mai 2018, 16:18 Uhr Fingerlinge
Die Fingerlinge sind etwa 4.5 Zentimeter lang.
ZVG

Man muss sich das einmal vorstellen: Ein 22-jähriger Nigerianer wurde kürzlich an der Schweizer Grenze in Kriessern gefasst, weil er ganze 92 Kokainfingerlinge im Magen trug. «So ein Fingerling ist etwa so gross wie eine Cipollata», sagt Daniel Wyler, Rechtsmediziner am Kantonsspital Graubünden. Wobei der Ausdruck Fingering eigentlich noch aus alten Zeiten stamme. Früher, in den 80er-Jahren, da habe man das Kokain noch in den kleinen Plastikfingerhütchen verstaut. «Heute wird das aber meist sehr professionell verpackt», so Wyler.

Die Fingerling-Methode funktioniert so: In einem ersten Schritt werden Kokain oder andere Drogen stark komprimiert und in Plastik verpackt. Im Fall des Nigerianers waren die Fingerlinge etwa vier Zentimeter lang und hatten einen Durchmesser von etwa einem Zentimeter. Wie Daniel Wyler erklärt, passen zwischen fünf und zehn Gramm in einen Fingerling. Nimmt man eine Menge von 7.5 Gramm als Beispiel, so kommt man beim Fall an der Schweizer Grenze auf 690 Gramm Kokain. Gemäss «NZZ» kostet ein Gramm zwischen 40 und 120 Franken, je nach Reinheit. Wenn man auch da wieder einen Mittelwert nimmt, 80 Franken, so hat der Mann in Kriessern ein Vermögen von rund 55’200 Franken in seinem Bauch getragen.

Eine kontrollierte Ausscheidung 

Wenn die Fingerlinge verpackt sind, schluckt sie der Schmuggler und trägt sie so im Magen. Das Risiko, dass die Fingerlinge im Magen platzen, sei sehr gering, sofern die Verpackung professionell gemacht ist, sagt Daniel Wyler. Sollte das doch geschehen, wäre das ein Fall für die Notfallstation. «Fünf Gramm Kokain direkt ins Blut sind tödlich», betont der Rechtsmediziner. Doch solche Fälle gebe es sehr selten. 

Sollte der Schmuggel erfolgreich sein, muss das Transportgut dann noch kontrolliert ausgeschieden werden. Will heissen: «Der Schmuggler darf nicht alleine auf die Toilette», so Wyler, weil er die Fingerlinge dann klauen oder wegspülen könnte.

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