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Vorsätze

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Christian
Ruch

In «Ruchs Rubrik» beleuchtet Christian Ruch Bedenkliches, Merkwürdiges und Lustiges aus der Region Südostschweiz. Das alles einmal wöchentlich und mit viel Esprit und Humor. Ob Politik, Kultur, Wirtschaft oder Sport – in Ruchs Rubrik hat all das Platz, was sich mit einem Augenzwinkern betrachten lässt.

Wenn es darum geht, das neue Jahr besser zu beginnen als das alte zu beenden, neigt man ja gern zu guten Vorsätzen. Sofern man in einer harmonischen Partnerschaft lebt, hat man das Glück, dass man selber gar nicht nach Vorsätzen suchen muss, sondern die bessere Hälfte sich liebevoll Gedanken macht, was es denn so alles zu verbessern gäbe, und dementsprechende Vorschläge präsentiert. Die Lieblingsbündnerin an meiner Seite findet beispielsweise, mir könne mehr Bewegung nicht schaden, etwa in Churs wunderbarem Fürstenwald. Die Anregung, mich doch dort es bitzeli mehr der frischen Luft auszusetzen und die Gehwerkzeuge zu gebrauchen, garnierte sie mit der ebenso eindrucks- wie leicht vorwurfsvollen Feststellung: «Du bist mittlerweile öfter in Norwegen als im Fürstenwald!»

Eine Aussage, die mich ins Grübeln brachte. Angenommen, sie hätte Recht, dann würde sich die Frage stellen, woran das liegt. An fehlenden Fjorden kaum, denn die kann man jetzt vom Fürstenwald beim besten Willen nicht verlangen. Zudem ist der Fürstenwald im Gegensatz zu Norwegen bequem mit dem Churer Stadtbus erreichbar, und das sogar ohne Check-In und Gepäckkontrolle. Es gibt also keinen vernünftigen Grund, Norwegen dem Fürstenwald vorzuziehen. Dies zuzugeben wäre mir natürlich nie in den Sinn gekommen, also verwies ich den vermeintlichen Bewegungsmangel ins Reich des Mythos und erinnerte nicht ohne Stolz an die 250 Kilometer Jakobsweg, die ich letztes Jahr absolviert habe. Ein Abenteuer, dem die Lieblingsbündnerin mit einer gewissen Besorgnis entgegensah, weil sie die Kombination aus fehlendem Training, vielen Kilometern und schwerem Rucksack als ideale Voraussetzung für eine anschliessende Knie- und Hüft-OP betrachtete. Doch im Gegensatz zu den Super-Trainierten, die alle bandagiert herumhumpelten, war ich auch noch am Ziel in Santiago de Compostela munter. Was, wie ich der Lieblingsbündnerin erklärte, nur daran liegt, dass ich meinen Körper das ganze Jahr schone und er deshalb sozusagen ausgeruht auf Pilgerschaft gehen kann.

Im Mai steht übrigens bereits der nächste Jakobsweg auf dem Programm. Ich fürchte also, der Fürstenwald muss auch 2020 auf mich warten. Norwegen wahrscheinlich nicht.

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