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«Das ist einfach Nadia»

Liebevoll, anders, schräg. So könnte man Nadia Damaso beschreiben. Die Autorin von zwei Besteller-Kochbüchern hat dieses Jahr ihre eigene Granola- und Müsli-Linie auf den Markt gebracht. Und ihren Kreationen folgen über 155’000 Menschen auf Instagram. Grund genug, die 22-Jährige Engadinerin zur «Bündnerin des Jahres» 2019 zu nominieren.

Kristina
Schmid
Mittwoch, 04. Dezember 2019, 04:30 Uhr Bündnerin des Jahres 2019
Nadia Damaso ist Autorin von Bestseller-Kochbüchern.
PRESSEBILD

Nadia Damaso mag keine Schubladen. Damit sind nicht etwa jene Schubladen gemeint, in denen Sachen verstaut werden. Sondern jene, in die Menschen gesteckt werden. Sie mag es nicht, wenn man etwas oder jemanden «labelt». Kein Wunder, findet sie auch keine Bezeichnung dafür, was sie tut. Sie mag es etwa nicht, als Köchin bezeichnet zu werden. «Bin ich ja nicht», sagt sie dazu. Schliesslich habe sie keine Lehre zur solchen absolviert. Eine interessante Sichtweise, wenn man bedenkt, dass Damaso zwei Kochbücher herausgegeben hat, die beide auf der Bestseller-Liste landeten. Und sie mag es auch nicht, als Food-Bloggerin bezeichnet zu werden. «Das schon gar nicht. Ich hab ja nicht einmal einen Blog, auf dem ich Rezepte teile.» Nein. Aber einen Instagram-Account, auf dem sie ihre neusten Kreationen präsentiert.

Am ehesten würde sich Damaso noch als Kochbuch-Autorin bezeichnen. Aber am liebsten ist ihr der Ausdruck Kreativ-Kopf. «Ach, ich bin einfach ich. Und das, was ich mache, bin auch einfach ich. Das ist einfach Nadia.» So ist die 22-Jährige. Sie sagt Sätze, die man sonst selten hört. Und hat Ansichten, die nicht jeder teilt. Gerade, weil sie sie so konsequent zu Ende denkt. In ihrem Fall: gesund.

Eine Stunde kochen, eine Stunde essen

In den Kochbüchern von Damaso geht es darum, sich gesund zu ernähren. Es geht darum, bewusst zu essen. Und darum, seinen Horizont zu erweitern. Das suggeriert bereits der Titel ihrer Kochbücher. «Eat better not less», was so viel wie «Iss besser, nicht weniger» bedeutet. Und dieses Motto lebt Damaso im Alltag. Aber auch in diesem Fall auf ihre Art. 

Damaso isst nur zwei Mal am Tag. Dafür richtig viel und richtig lange. Dass es angeblich gesünder sein soll, am Tag mehrere, dafür kleinere Portionen zu sich zu nehmen, lässt Damaso kalt. Sie pfeift darauf. «Mir egal, was alle sagen. Ich muss machen, was für mich und meine Gesundheit stimmt.» Und was für Damaso stimmt, ist eben zwei Mal am Tag zu essen. Und dafür nimmt sie sich Zeit. Eine Stunde, um die Mahlzeit zuzubereiten. Eine Stunde, um das Gericht zu essen. Und wenn sie wirklich mal keine Zeit hat, weil ihr Terminkalender so voll ist, dann bestellt sie sich eben was Gesundes an der Theke. 

Etwa im «Juicery 21» in Zürich. Dort stehen auf der Speisekarte Sachen wie Oat Porridge, Açai Bowls und Organic Almond Milk. Trendig und gesund dazu. Kein Wunder, isst Damaso ab und zu hier. Den Besitzer kennt sie inzwischen. Und auch die Kellnerin. Damaso bestellt zwei Portionen Müsli, einen Milch-Shake und einen heissen Saft. «Ich hab heute noch nichts gegessen», sagt Damaso. Auf die Frage, wie das um 16 Uhr noch geht, sagt sie: «Nun ja, ich hatte heute bereits zwei Termine und war noch 20 Kilometer joggen. Da war noch keine Zeit fürs Essen.» 

Nehmt Euch Zeit für Euch, für Eure Ernährung: Nadia Damaso's Tipp an Euch.

Musik fürs Erlebnis

Dass sich Damaso Essen bestellt, kommt eher selten vor. Viel lieber kocht sie selber. Und kein Gericht zwei Mal. Immer wandelt sie ein Rezept etwas ab oder kreiert gleich ein ganz neues. «Ich kann das Essen in meinem Kopf sehen, noch bevor ich es gekocht habe. Ich weiss dann bereits, wie es werden soll und wie es schmecken muss. Und in meinem Kopf weiss ich dann auch schon ganz genau, wie viel ich von welchen Zutaten verwenden muss, damit das Essen genau so rauskommt, wie ich mir das vorstelle.» Damaso kocht nicht nach Rezept. Sie kocht nach Gefühl. Wie ein Musiker komponiert, ein Künstler malt, ein Dichter schreibt – so kocht Damaso. Sie spürt es und macht es dann. «Das ist Nadia-Style.» Eigenwillig und gut. 

Damaso kocht nicht nur gerne für sich, sondern auch für ihre Familie oder Freunde. Bereits mit zehn Jahren hat sie damit angefangen, ihre Familie mit 4-Gang-Menüs zu verwöhnen. Und bis heute macht sie gerne ein Erlebnis aus dem Essen. Sie serviert nicht nur ein leckeres Gericht, sie richtet es auch schön an und lässt dazu noch Musik laufen. So hat sie etwa für ihr zweites Kochbuch «Around the world», für das sie zwölf Länder besucht hat, passend auch noch eine Playlist mit Musik zusammengestellt, die man nun während des Kochens oder des Essens hören kann. «Jeder mag gutes Essen. Denn essen schweisst Menschen zusammen. Es öffnet sie. Dann fängt sogar der Banker an, von seiner Kindheit zu erzählen. Und das liebe ich», sagt Damaso.

Extrawünsche im Restaurant

Und weil sie das Kochen und Essen so liebt, lässt sie sich auch nicht mehr bekochen. Ihre Freunde versuchen gar nicht mehr erst, sie zum Essen einzuladen. «Sie sagen, mir könne man es eh nicht recht machen», sagt Damaso und schmunzelt. Und wenn sie ihre Eltern im Engadin besuche, dann koche entweder sie – oder aber, man gehe auswärts essen.

Das mit dem Auswärts-Essen ist bei Damaso eine etwas kompliziertere Angelegenheit. Wie sie selbst im Gespräch zugibt, hätte sie dann immer ganz viele Sonderwünsche. Ganz egal, was sie bestelle. Etwas müsse sie fast immer ändern. Inzwischen habe ihr Lieblings-Italiener bereits eine Pizza nach ihr benannt. Pizza Nadia. Und beim Lieblings-Vietnamesen wüssten sie, sobald sie zur Tür reinkomme, was sie bestellen würde. «Sie fragen mich gar nicht mehr, was ich will. Sie kommen und sagen mir, was ich will», so Damaso. Und dann müsse sie nur noch nicken.

Damaso hat klare Vorstellungen davon, was sie zu sich nimmt. «Es ist ein grosses Privileg, dass wir in der Schweiz selbst entscheiden können, was wir essen wollen. Weshalb sollte ich also nicht darauf achten, dass ich nur Sachen esse und trinke, die mir gut tun?» Es macht Sinn. Und es ist der Grund, weshalb sie sich vegan ernährt. Obschon sie auch dieses Label nicht mag. Sie nennt es lieber pflanzlich. «Die meisten Menschen essen, weil sie müssen. Für mich ist aber das Essen nichts, das ich auch noch erledigen muss. Vielmehr sehe ich es als Benzin für meinen Körper. Ich sehe es als Energie für alles, was ich noch machen muss.»

Weniger ist mehr

Damaso verzichtet inzwischen auf viele Produkte, die für viele Menschen aus dem Alltag fast nicht wegzudenken sind. Zucker etwa. Oder Weissmehl. «Wer sich gesund ernähren will, muss sich bewusst dafür entscheiden. Und auch etwas dafür tun», sagt Damaso. «Von nichts kommt nichts.» Damaso vergleicht eine Ernährungsumstellung mit dem Frühjahrsputz oder dem Ausmisten von alten Kleidern. «Warum schaut man sich nicht an, welche Produkte man in der Küche benutzt – und überlegt sich dann, durch welche gesunden Produkte man die ungesunden ersetzen könnte.» Dann vergleicht Damaso die Küche mit einem Büro. «Ist man erst einmal richtig eingerichtet, fällt es viel leichter, sich an neue Gewohnheiten zu gewöhnen. So ist das mit der Ernährung. Man muss es nur richtig wollen.»

Damaso weiss, was sie will. Und sie weiss vor allem, was sie nicht will. Deshalb wird es im kommenden Jahr einige Veränderungen geben. Und sie hat auch schon ihre nächsten Projekte und Produkte bereits in der Pipeline stehen. An Ideen fehlt es der jungen Geschäftsfrau sicherlich nicht. «Ich liebe das, was ich mache. Und das ist etwas, das ich meinen Lesern und Followern unbedingt auf den Weg mitgeben möchte: Lebe Dein Leben. Tu, was Dir gefällt. Umgebe Dich mit Menschen, die Dich lieben. Das wird Dich glücklich machen. Wenn Du so lebst, kommt Negatives nicht an dich heran.»

«suedostschweiz.ch» stellt Euch diese Woche jeden Tag einen der fünf Nominierten vor, ehe es ab dem 9. Dezember ans Voten geht. Dann entscheidet Ihr mit Eurer Stimme, wer letztlich das Rennen als «Bündner/in des Jahres 2019» macht. Der Sieger oder die Siegerin wird am 16. Dezember bekannt gegeben.

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Wir haben in Graubünden wohl renommiertere Persönlichkeiten als die Domaso! als Bündner des Jahres! Schlägt doch mal einen fleissigen und erfolgreichen Unternehmer vor! Warum immer Politiker oder sonstige brotlose Akademiker und Schriftsteller! Diejenigen welche Arbeitsplätze anbieten und dem Kanton Szeuereinnahmen generieren sind offenbar nur Mitläufer ohne Subventionen??