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Hospiz für unheilbar Kranke stösst auf grosses Interesse

Am 1. Januar 2019 soll im Maienfelder Alterszentrum Senesca ein Hospiz seinen Betrieb aufnehmen. Eine Podiumsdiskussion erörterte das Projekt zwischen dem Wünsch- und dem Machbaren.

Südostschweiz
Freitag, 08. Juni 2018, 04:30 Uhr Erfolgreiche Podiumsdiskussion
Ein gut besuchtes Podium informierte über das erste Hospiz-Projekt im Kanton Graubünden.
THEO GSTÖHL

Was passiert mit unheilbar kranken Menschen, deren Tod absehbar ist und die nicht zu Hause gepflegt werden können? Nicht wenige müssen ihre letzten Wochen in einem Pflegeheim verbringen, was gerade für jüngere Menschen keine optimale Betreuungsform ist. Deshalb soll es jetzt auch im Kanton Graubünden ein Hospiz geben. Über dieses Projekt informierte eine sehr gut besuchte Veranstaltung des Vereins Palliative GR am Mittwochabend im Churer Bürgerheim.

Zunächst berichtete Daniel Schmitter über seine Erfahrungen als Pflegedienstleiter des Hospizes im Werdenberg in Grabs. Es ist seit Anfang 2017 in Betrieb, Teil eines Pflegeheims und bietet fünf Einzelzimmer. Das Hospiz, das in Graubünden entsteht, verfolgt ein ähnliches Konzept: Es wird im Maienfelder Alterszentrum Senesca angesiedelt sein, vier Plätze bieten und für die dreijährige Projektphase mit maximal 400 000 Franken Defizitbeitrag vom Kanton unterstützt. Anfang 2019 soll es seinen Betrieb aufnehmen.

«Das Hospiz in einer schönen Jugendstil-Villa ist leider nicht realistisch.»

Nicht für Pflegebewohner gedacht

Bei der Podiumsdiskussion, die den Ausführungen Schmitters folgte, zeigte sich Cristian Camartin, Leitender Arzt der Palliativstation im Kantonsspital Graubünden, überzeugt, dass es ein Hospiz brauche. Denn seine Station sei Teil eines Akutspitals und eben keine Langzeit-Einrichtung. Urs Hardegger, Geschäftsführer des Alterszentrums Senesca, betonte, dass das Hospiz etwas anderes sein werde als das Pflegeheim. «Wir nutzen zwar die Infrastruktur des Alterszentrums, aber das Hospiz ist etwas Separates und auch anders gestaltet. Die Bewohner werden Menschen von 18 aufwärts sein, und es ist nicht für Pflegeheimbewohner gedacht.» Der Dachverband der Schweizer Hospize favorisiere zwar separate Einrichtungen, doch das sei in Graubünden nicht möglich, sagte Barla Cahannes, die an diesem Abend zur neuen Präsidentin von Palliative GR gewählt worden war. «Das Hospiz in einer schönen Jugendstil-Villa ist leider nicht realistisch. Wir müssen kleine Schritte gehen und das Hospiz an bestehende Strukturen anbinden.» In diesem Zusammenhang sprach Cahannes ein Kompliment an den Kanton für die gute Zusammenarbeit aus.

Vier Betten genügen

Einig war sich die Runde, dass vier Hospizplätze wohl ausreichend seien. Eine Studie kam zwar zum Schluss, dass der Kanton zwölf Plätze brauche, das sei aber wohl zu hoch angesetzt, meinte Urs Hardegger. «Die vier Betten sind vor allem für das dicht besiedelte Churer Rheintal gedacht und werden wohl gut ausgelastet sein», sagte Cristian Camartin. Ein flächendeckendes Angebot sei sehr schwierig umzusetzen, zumal Gesundheitsdirektor Christian Rathgeb signalisiert habe, dass er nur ein Hospiz sehe, das der Kanton finanziell unterstützt.

Wie Urs Hardegger bekannt gab, sind die Vorbereitungen für den Hospizbetrieb im Alterszentrum Senesca derzeit in vollem Gang. In den nächsten zwei Monaten sollen die Stellen für das Hospiz-Team ausgeschrieben werden, ausserdem soll mit Palliative GR ein Gönnerverein gegründet werden, der das Hospiz finanziell unterstützt. Illusionen macht sich Hardegger jedoch keine: «Die Finanzierung ist in der Schweiz immer noch nicht geregelt, und einige Hospize haben finanzielle Probleme. Das Geld wird also immer ein Thema sein.»

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